Tiere als Spiegel der Seele und Sinnbild der Kultur
www.cornelias-tierbuch.de

Gans


Zum Symbol, zum Sinnbild gewordene Eigenschaften

  • Die Gans steht seit Alters her für Schöpfungskraft. Ihr großes weißes Ei wurde Sinnbild für die Entstehung von Himmel und Erde und allem dazwischen. Sie war das heilige Tier der alten Göttinnen und ihr Körper galt als Heilung bringend.
  • Gänse sind Weitflieger und ebenso Hochflieger, sie sind die Generalisten des Fliegens und das bringt ihnen in unserer technisierten Welt Bewunderung und Beliebtheit ein.
  • Ein Gänsepaar erfreut heute die Menschen als Bild der Liebe und Treue, da es unbeirrbar ein Leben lang zusammen bliebt. Ebenso sind sie beispielgebend für die Prägung des Nachwuchses auf die Mutter geworden. Mutterliebe als Ursprung von Bindung und Liebe.


Die heilige und heilende Gans

Die Gans legt verglichen mit anderen Vögeln wirklich große Eier. Sie sind auch strahlend weiß, was Wunder, dass sie vielfach zum Schöpfungsei erhöht wurde, aus dem die ganze Welt entstand.

In Ägypten wurde die Gans die Schöpferin der Welt genannt, und die Sonne als ihr Ei angesehen, aus dem Gott Ra=Sonne schlüpfte. Zugleich wurde sie aber auch mit dem Erdgott Geb in Verbindung gebracht. Er trägt auf Darstellungen häufiger eine Gans auf dem Kopf. Dass er sie als Erdgott auf dem Kopf trägt stellt wieder den Sonnenbezug der Gans her: die Sonne über der Erde.

In Alteuropa wurde sie, wie Maria Gimbutas wundervoll darlegt, als Vogel, der auch auf dem Wasser lebt und im Schlamm gründelt, der Wasser, Erde und die Schöpfungskraft der lichten Höhen miteinander verbindet, der Großen Mutter als heilig zugeordnet. Die Große Mutter ist auch immer eine Schicksalsgöttin, unter diesem Aspekt war sie in Griechenland der heilige Vogel der Nemesis. Der Großen Mutter als Geliebter, als Aphrodite, galt sie ihrer Schönheit und Fruchtbarkeit wegen ebenso als zugehörig. Und in Indien wurde sie als Begleiterin von Brahma, dem Inbegriff der Welt und ihres ewigen Werdens betrachtet.

Bei den Äpyptern, Griechen und Römeren war sie ein Opfertier, dieses Ritual durfte aber nur in Heiligtümern vollzogen werden. Dies offenbart ihren hohen Stellenwert. Mit ihrer Opferung sollten ihre Sonnenkräfte "befreit" und ihren Opferern als Gabe zukommen. Wie das der Sinn jeden religiösen Opfers ist - Gott wird dem Gott geweiht, das heißt geopfert, um seine Gnade zu finden. Dies ist nicht paradox, die Logik dahinter ist: Dem Höchsten kann nur das Höchste ein angemessenes Opfer sein, also muß das Höchste dem Höchsten dargebracht werden. Heutzutage wird sie noch als Weihnachtsgans serviert, eine Erinnerung an das alte Gansopfer zum neuen Sonnenjahr.

Ganz konkret wurde die "heilige Gans" seit eh und je zur Heilung fast aller Leiden genutzt, besonders ihr Gänsefett, und dies wieder besonders bei Frauenleiden. Bächtold-Stäubli: "Gänsefett ist dienlich bei den Geschwären der Bärmutter, bei Brustschmerzen, behält den Bauch glatt nach der Geburt und treibt die tote Frucht aus." Noch meine Großmutter wußte, dass Gänseschmalz die Haut verschönt und Schrinnen heilt.

Die Gans und ihr Ei erfuhr im Laufe der langsamen Entmythologisierung der Kulturen einen großen Wert- und Bedeutungsverlust. Vom Sonnenei schrumpfte es zum Goldei und weiter zum Symbole für Gier, Habsucht und Dummheit. Schon Äsop (griechischer Dichter aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.) erzählt: Ein Mann bekam von Hermes eine Gans geschenkt, die goldene Eier legte. Er dachte, wenn sie goldene Eier legen kann, muß sie einen riesigen Goldvorrat in sich haben. Er schlachtete sie, um diesen gleich auf einmal zu erhalten. Er fand ihn nicht in der Gans, er fand nur Gedärm.


Die Goldene Gans

Das Thema der goldenen Gans finden wir auch in der Märchensammlung der Gebr. Grimm, der Inhalt: Ein Bauer hatte drei Söhne, die beiden älteren zeigten sich klug, aber der jüngste wurde als Dummling verspottet und mißachtet. Der erste und zweite Sohn zogen nach einander in den Wald um Holz zu schlagen. Ein altes graues Männlein sprach jeden unterwegs an und bat um etwas von dem Essen, das die Mutter ihnen mitgegeben hatte. Aber beide verweigerten dies, jeder wollte den Eierkuchen und Wein für sich alleine haben. Im Wald dann verletzten sie sich jeweils mit dem eigenen Beil und mußten unverrichteter Dinge umkehren.

Als letzter zog nun der Dummling in den Wald zum Holzschlagen. Als das Graue Männlein auch ihn um etwas von seinem Essen bat, gab er ihm gerne ab. Die Mutter hatte ihm nur in Asche gebackenen Kuchen und Sauerbier mitgegeben, und das verwandelte sich zum gemeinsamen Essen in Eierkuchen und Wein. Das Männlein sprach: "Weil du ein gutes Herz hast und von dem Deinigen gerne mitteilst, so will ich dir Glück bescheren. Dort steht ein alter Baum, den hau ab, so wirst du in den Wurzeln etwas finden." Darauf nahm das Männlein Abschied. Der Dummling fällte den Baum und fand eine Gans mit goldenen Federn in den Wurzeln. Er nahm sie auf seinem Rückweg mit in ein Wirtshaus.

Der Wirt hatte drei Töchter. Als diese die goldene Gans sahen, wollte ihr jede eine Feder rupfen. Aber die Finger aller Drei blieben am Gold und aneinander kleben. Am nächsten Morgen zog der Dummling mit seiner Gans fort und kümmerte sich nicht um die drei daranhängenen Mädchen. Unterwegs schimpfte ein Pfarrer die Mädchen aus, dass sie hinter dem Mann herliefen. Er griff nach ihnen und blieb ebenfalls hängen. Gleicherart erging es dem Küster und zwei Bauern. Sie kamen so als Pack in eine Stadt, in der eine ernste Königstochter lebte, die niemand zum lachen bringen konnte. Deshalb hatte der König verordnet, dass jener, der sie zum Lachen bringen könne, sie zur Frau erhalte. Als die Königstochter diese nun 7 Menschen immer hintereinander herlaufen sah, mußte sie von Herzen lachen. Da verlangte der Dummling sie aufgrund der Verordnung zur Braut, aber dem König gefiel der Schwiegersohn nicht, er machte allerlei Einwendungen und sagte, er müsste ihm erst einen Mann bringen, der einen Keller voll Wein austrinken könnte.

Da dachte der Dummling an das graue Männlein. Er ging zurück in den Wald und fand an der Stelle des abgehauenen Baumes einen traurigen Mann sitzen, der großen Durst auf Wein hatte. Der Dummling führte ihn zum Weinkeller des Königs, der traurige Mann trank alles leer. Aber der König war noch unzufrieden. Bevor er seine Tochter bekäme müsse er einen Mann finden, der einen Berg von Brot aufessen könnte. Diese Aufgabe wurde so wie die erste von einem grämlichen Mann gelöst. Aber der König forderte noch ein Schiff, das zu Land und zu Wasser fahren könnte. Der Dummling ging wieder in den Wald und fand das graue alte Männlein. Der half ihm wiederum, beschaffte ihm das Schiff, sodass der König ihm seine Tochter geben mußte. Er erbte das Königreich (und wenn sie nicht gestorben sind,...)

Dies Märchen läßt sich als innerseelischer Wachstumsprozess eines Jungen zum König seiner selbst lesen. Die handelnden Personen und die Gans sind Bilder innerer Gestalten in einem heranwachsendem Jungen.

Sein Selbstwertgefühl ist ambivalent, man kann es auch pubertär nennen. Einerseits hält er sich für großartig (kluge Brüder) und liebenswert (bekommen Eierkuchen und guten Wein von der Mutter). Andererseits hält er sich für unzureichend (Dummling) und verachtenswert (bekommt Aschekuchen und Sauerbier von der Mutter). Das Wachstumspotential (Graues Männlein) zu einem reifen und weisen Selbst (König werden) ist in ihm angelegt. Er hört auf den Archetyp des Alten Weisen in sich selbst (spricht mit dem grauen Männlein) und seine Zweifel an sich verschwinden dabei (Aschekuchen und Sauerbier verwandeln sich in Eierkuchen und guten Wein). Der Alte Weise in ihm (graues Männlein) geben ihm Zuversicht sein Selbst zu finden und so sein Glück zu machen (Goldene Gans). Er findet diese Zuversicht am Grunde seiner Persönlichkeit (Wurzel des Baumes), nachdem er pubertären, phallischen Männlichkeitsvorstellungen entwachsen ist (Baum abgeschlagen).

In diesem neuen Selbstbewußtsein begegnet er Aspekten seiner Anima (drei Schwestern im Wirtshaus), die aber noch unreif daherkommen (Schwestern wollen nur goldene Federn). Im Weiteren begegnet er seinen Überich als Träger religiöser Regeln (Pfarrer, Küster) und kultureller Normen (Bauern). Er gewährt diesen in seinen Inneren unkritisch Platz, bleibt in seinem Trott (hält sie in seinem Tross). Seine zukünftige Anima (Prinzessin nach der Hochzeit) ist über diesen Stillstand traurig (Prinzessin kann nicht lachen). Sie ist reifer als sein jugendlicher Animus, sie hat Aspekte des Archetyps der Alten Weisen in sich schon integriert (erkennt die Komik des Trosses), sie ist fähig zu Humor. Durch sie kann der junge Mann selbst über sein dem Geld/Gold-Nachlaufen (der Tross) lachen.

Des jungen Mannes Selbst (König) erkennt sich als noch zu schwach um alle seine Teilaspekte (Tross) und besonders seine Anima (Prinzessin) zu intergrieren (heiraten). Sein Animus muß dafür noch wachsen und lernen (Aufgaben bewältigen). Der innere Archetyp des Alten Weisen (Graues Männlein) kann ihm helfen, weil er diesen als eine innere Stimme, als Gefühlsregung wahrnimmt. Der Alte Weise lehrt den Jungen den hingebungs- und vertrauensvollen Kontakt mit den Elementen Wasser (Fass Wein) und Erde (Berg Brot). Als letzte Aufgabe muß er die Verbindung, den Zusammenhang zwischen diesen weiblichen Elementen (Schiff, das zu Wasser und zu Lande fährt) verstehen lernen. Nach diesen Entwicklungsprozessen ist sein innerer Mann, Animus, zu Größe und Kraft gelangt, um sich jetzt mit Anima zu vermählen. (Hochzeit mit der Prinzessin).

Die Goldene Gans hat mit ihrem Glücksversprechen, als das sie verstanden wird, in diesem Märchen alles in Bewegung versetzt. Sie ist Symbol der Lebensenergie, des Wachstumstriebes und der Liebe. Im Anklang an die Große Göttin möchte ich sie das Symbol des Sprirituellen Schöpferselbsts nennen.


Gänsespiel und Rück-Sicht

Das "Gänsespiel" ist ein Brett-Gesellschaftsspiel, in dem Gänse je nach Anzahl der Würfelaugen in einer Spirale vor- oder rückwärts laufen. Entscheidend ob es vorwärts oder rückwärts geht sind die Vorgaben der archetypischen Motivfeldern, auf denen eine Gans jeweils landet. Heute ein Kinderspiel, war es früher ein Glücksspiel um Geld, das sicherlich sehr alten Wurzeln entstammt. Es simulierte die schicksalhaften Ereignisse und Entwicklungen im Leben, die einen Menschen vor- und zurückwerfen. Die Volksweisheit "Es geht immer zwei Schritte vor und einen zurück" könnte eine Kurzfassung dieses Gänsespiels - als Schicksalsspiel - genannt werden. Das Ziel erreicht jeder, es wird auch als der Tod gedacht.

Goethe greift diese Symbolik in einem Gedicht auf (West-östlicher Divan, 1814-1819):
"Das Leben ist ein Gänsespiel: / Je mehr man vorwärts gehet, / Je früher kommt man an das Ziel. Wo niemand gerne stehet.
Man sagt, die Gänse wären dumm, / O glaubt mir nicht den Leuten: / Denn eine sieht einmal sich rum, / Mich rückwärts zu bedeuten.
Man sagt, die Gänse wären dumm, / O glaubt mir nicht den Leuten: / Denn eine sieht einmal sich rum, / Mich rückwärts zu bedeuten.
Ganz anders ist's in dieser Welt. / Wo alles vorwärts drücket, / Wenn einer stolpert oder fällt. /Keine Seele rückwärts blicket."

Goethe beschreibt die Gänse in diesem Gedicht als mitfühlend, Rück-Sicht übend. Das "Ewig Weibliche" (Goethe, Schlußvers von Faust II) der Großen Göttin zeigt sich uns in ihnen.


Die Gänsemagd

Da Gänse die heiligen Vögel der alten, vorchristlichen Göttinnen waren, wurden sie im Zuge der Christianisierung mit den Hexen in Verbindung gebracht. Ein schönes Beispiel dafür ist das Märchen der Gebr. Grimm "Die Gänsehirtin am Brunnen". Die Erzählperspektive wechselt mehrfach:

Im ersten Teil des Märchens läßt eine alte Gänsehirtin, die für eine Hexe gehalten wir, einen jungen Grafen, der ihr beim Tragen ihres Gänsefutters helfen wollte, ihm diese Last unerträglich schwer werden und setzt sich ihm dann noch wie ein Alb auf dem Nacken. Bei ihrer Hütte angelangt warnt sie den jungen Grafen sich nicht in ihre Tochter, die alte Gänsemagd zu verlieben. Sie schenkt ihm zum Dank eine Smaragdbüchse.

Der zweite Teil spielt in einem Schloß. Der junge Graf schenkt dort der Königin die Smaragdbüchse, diese findet eine Perle darin, die eine Träne ihrer jüngsten Tochter ist. Der König hatte sie verstoßen und verjagt, als sie seine Frage, wie sehr sie ihn liebe, mit "Salz" beantwortet hatte, denn ohne Salz schmecke nichts. Ihre zwei älteren Schwestern hatten "Zucker" und "schönste Kleider" geantwortet und wurden königlich belohnt. König und Königin baten den Graf sie zur Hexe zu führen, die ihm die Träne in der Büchse gab.

Der dritte Teil spielt in der Hütte der Hexe. Die alte Tochter sitz dort und spinnt. Auf einen Eulenruf hin geht sie hinaus an den Brunnen und wäscht sich dort ihre alte Haut ab und weint. Der junge Graf beobachtet ihre Verwandlung zur wunderschönen Prinzessin heimlich. Zurück in der Hütte, die Hexe kehrt diese sauber und läßt ihre Tochter die alte Haut ablegen und das Königstochterkleid wieder anlegen. Sie erklärt König und Königin: "Den weiten Weg hättet Ihr Euch sparen können, wenn Ihr Euer Kind, das so gut und liebreich ist, nicht vor drei Jahren ungerechterweise verstoßen hättet. Ihr hat's nichts geschadet, sie hat drei Jahre lang die Gänse hüten müssen; sie hat nichts Böses dabei gelernt, sondern ihr reines Herz behalten. Ihr aber seid durch die Angst, in der Ihr gelebt habt, hinlänglich gestraft." Dann verwandelt sich ihre Hütte in ein Schloss. (Und wenn sie nicht gestorben sind,...)

Im ersten Teil geht er um den Archetyp der Alten Weisen, die oberflächlich als "Böse", als schattenseitig erscheint (sitz dem Grafen als Qual im Nacken). Gleichzeitig wird aber angedeutet, dass "böse Hexe" eine Täuschung sein könnte (sie ist eine Hirtin, sie sorgt für ihre Gänse liebevoll). Die folgende Klarstellung dieser Uneindeutigkeit bahnt sich hier an (sie gibt dem Grafen eine Büchse mit der Tränenperle).

Im zweiten Teil geht es um den Archetyp des Alten Weisen, der oberflächlich als "Gut" erscheint (der König). Der tatsächlich in den Schatten geratene Aspekt des Weisen Alten offenbart sich durch die Anima im Geschehen (Königin). Der lichte Aspekt des Alten Weisen (König liebt seine Töchter) war durch eitle Oberflächlichkeit (er wollte wie Zucker und nicht wie Salz geliebt werden) in den Schatten gerückt (König verstößt die nicht oberflächliche jüngste Tochter).

Im dritten Teil geschieht Auflösung und Erlösung. Die Hexe "kehrt" die Situation sauber: sie ist eine Erscheinung der Großen Mutter, die in der Stille die verstoßene Tochter zu schönster und brunnentiefer Weiblichkeit hat wachsen lassen - bei den Gänsen, mit den Gänsen und durch das Vorbild der Gänse. Und den König läßt die alte Gänsefrau durch die Tränenperlen der verstoßenen Tochter zurück zu väterlicher Liebe finden. Der Weise Alte in ihm gerät wieder ins Licht seines Bewußtseins und seiner Gefühle.

Er wird durch das Salz erlöst: sein "Salz in der Wunde" war die Angst um seine Tochter, die er sich selbst zugefügt hatte. Die Heilung seiner Wunde begann mit der Tränenperle, die als Träne das Salz und als Perle das Salz des Meeres darstellt.


Wachsamkeit, Häuslichkeit

Gänse verkörpern auch aggressiv-phallische Energien, da sie unangenehm fauchen und mit ihren langen, vorgestreckten Hälsen und Schnäbeln schmerzhafte Hiebe verteilen können. Ich selbst wurde einmal, als ich einen Hof betrat von vier Gänsen ernsthaft bedroht. Diese Hälse richteten sie wie Lanzen gegen mich, sie machten auch vor dem Besen nicht halt, nachdem ich gegriffen hatte. Ich flüchtete erst einmal.

Wir alle kennen die Geschichte, dass Rom vor den einfallende Kelten (390 v. Ch.) durch die Warnschreie der heiligen Gänse der Juno, die auf dem Kapitol lebten, gewarnt wurde. Noch im Mittelalter wurden Gänse wegen ihrer Wachsamkeit gerne vor den Stadttoren gehalten. Auf Bauernhöfen waren sie immer zu finden, neben ihrer Wachsamkeit gaben sie Federn für das Bett und Eier für den Tisch.

Zudem sind Gänse ein Vorbild für eheliche Treue: sie leben in lebenslanger, unbeirrbar treuer Partnerschaft und trauern lange, wenn sie ihren Gefährten/Gefährtin verlieren. Durch die berühmt gewordenen Graugänse des Verhaltensforschers Konrad Lorenz wissen wir auch um die Prägung, diese so starke Bindung der Gössel an ihre Mutter. Sie laufen der Mutter immer hinterher und machen ihr alles nach. Treuer Vater, liebe Mutter, brave Kinder - "trautes Heim, Glück allein". Ich vermute da einen Gänse-Zusammenhang ;-)

Heute ist die Hausgans in mehr oder weniger ausgeprägten Kitschvarianten Symboltier für Häuslichkeit und Küche: Gans auf Bechern, Tüchern, Schürzen. Fast wie ein Talisman.


Der Traum vom Fliegen

In unserer Zeit steht die Gans in erster Linie für den Traum vom Fliegen. Selma Lagerlöff veröffentlichte 1906 das Kinderbuch "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen", es wurde weltweit populär. Sie beschreibt die Wandlungen des 14jährigem Nils Holgersson von einem bösartigem Jungen zu einem hilfsbereiten und fleißigen. Nils wird zunächst als Strafe für seine Untaten von einem Wichtelmann auch in einen Wichtel verwandelt. Als Wichtel reist er auf dem Rücken der Hausgans Martin mit den Wildenten von Südschweden bis nach Lappland und erlebt viele Abenteuer. Unter der Anleitung der alten und ehrwürdigen Gans Akka lernt er anderen zu helfen statt sie zu ärgern. So darf er am Ende seiner Reise wieder ein Mensch werden. Ich las dies Buch als Jungendliche und wünschte mir auch, auf einer Gans fliegen zu dürfen.

Nicht auf einer Gans, aber mit Gänsen flog Amy. Der Spielfilm (1996) "Amy und die Wildgänse" begeisterte die halbe Welt. Die Handlung spielt in Kanada, der Inhalt: Die 14jährige Amy findet das verwaistes Gelege einer Wildgans, sie brütet die Eier in einer Schublade aus und und zieht dann 16 Wildgänse auf. Die Gössel sind auf sie als Mutter geprägt und folgen ihr in allem. Aber Amy kann sie nicht lehren wie ihre Artgenossen im Herbst in den Süden zu fliegen. Ihr Vater baut nun ein Ultraleichtflugzeug, um ihnen vorweg fliegend die Route zu zeigen. Aber die Junggänse erkennen ihn nicht als Führer an, sie folgen nur Amy. Um ihnen zu helfen startet Amy heimlich selbst das Ultraleichtflugzeug, bleibt aber im nächsten Zaun hängen. Ihr Vater bringt ihr daraufhin das Fliegen damit bei. Es gibt dann üble Auseinandersetzungen mit einem Ranger, der das alles verhindern will, aber Amy und ihr Vater setzten sich letztendlich durch und bewältigen es mit den Wildgänsen den Süden zu erreichen. Es sind ganz wunderbare, bewegende Szenen und Bilder in diesem Film: Amy in ihrem Ultraleichtflugzeug mit ihren Wildgänsen rechts und links neben sich. Laut eingeblendetem Text in der Schlußszene kehren im Sommer alle 16 Gänse selbständig zu ihr in den Norden zurück.

Seit ein paar Jahren weiß man, dass Wildgänse trotz Kälte und Sauerstoffmangel sogar den Himalaya überfliegen. Sie zeigen und ein Wunder des Fliegens.


Freiheit und Respekt
Ein alter Flieger sagt:

Fliegst du deine kleine Maschine, so genießt du die einzige Situation im Leben, bei der völlige Freiheit mit völliger Verantwortung gekoppelt ist. Das ist höchstes Selbstsein. Fühlt euch als die Piloten eures Lebens. Entscheidet selbst ob ihr startet oder auf besseres Wetter wartet. Habt ihr ein fernes Ziel und seid ihr in einer Gruppe unterwegs, seid kooperativ wie die Gänse in ihrer V-Formation: jeder profitiert so von den Flugwirbeln des Vorfliegers, das spart Kräfte und bringt jeden leichter voran. Habt Respekt vor allem um euch herum, dann stürzt ihr nicht ab.


Bild: "Lebensgefährten" von Maggie M. Roe

Gänse sind sich ein Leben lang als Gefährten treu. Diese zwei Wildgänse im Bild sind sich zugeneigt, ihre Körper berühren sich, so wie ihre Aufmerksamkeit sich in ihren Blicken ergänzt. Sie bilden eine Einheit.

Sie stehen auf der Erde im hohen Gras. Hier ist ihre Basis, ihr Nest, ihre Nahrung. Der Balken unter ihnen zeigt in uralten Symbolen ihren Flug, ihren ruhigen Segelflug, getragen von der Luft.

Über dem Paar wölbt sich der Himmel. Die Wölbung zeigt seine Dreidimensionalität über der Zweidimensionalität der Erdoberfläche, auf der das Paar sitzt. Der Himmel ist Raum, ist Freiheit; rechts, links, oben, unten, Wirbel und Spiralen. Die Köpfe des Paares sind eingebunden in einen Kreis, dessen unteres Zentrum sie bilden. Die Beiden sind die Verbindung von Erde und Himmel, sie leben in beidem, sie sind beides. Das obere Zentrum des Himmelskreises zeigt, wieder in uralter Symbolik, nicht mehr den ruhigen Segelflug, sondern den kraftvollen Flug. Die Schwingen durchgebogen, aufsteigend, ein Ziel erreichen wollend.

Die Gänseschnäbel im Balken unten und im Kreis oben spannen die gerade, die zentrale Linie des Bildes auf. Diese gedachte Linie ist die Achse ihres Paarseins, um die sich ihr Leben entfaltet. Ein Erdenaspekt für beide, ein Himmelsaspekt für beide; sie stehen als Zwei für Eines: ihr Leben.


Blog-interne Suchmaschine : HIER


English



Impressum

Tel.: 05292 1291
Stus Blog

Cornelia Savory-Deermann Cornelia Savory-Deermann

Cornelia
Savory-Deermann
, geboren 1945 in Wuppertal, hat seit 1971 Englische Bulldoggen. Seit Mai 2005 haben die Bulldogs hier ihr eigenes deutsches Weblog bekommen:

HIER geht es zu "Cornelias Bulldog Blog".




Die Buchkapitel:

Inhalt

Einleitung

Tiere als Spiegel der Seele

Tiere als Sinnbild der Kultur

Bilder von Maggie M. Roe

1. Adler
2. Bär, Bärin
3. Biber
4. Biene
5. Delphin
6. Esel
7. Eule
8. Falke
9. Fisch
10. Fledermaus
11. Frosch, Kröte
12. Fuchs
13. Gans
14. Hase
15. Hirsch
16. Huhn, Hahn
17. Hund
18. Katze, Kater
19. Krebs
20. Kuh, Stier
21. Maus
22. Möwe
23. Mücke
24. Muschel
25. Otter
26. Pferd
27. Rabe
28. Ratte
29. Reh
30. Schaf, Widder
31. Schildkröte
32. Schlange
33. Schmetterling
34. Schwan
35. Schwein, Eber
36. Seehund
37. Spinne
38. Storch
39. Taube
40. Wal
41. Wolf
42. Ziege, Z-Bock

Literatur-Verzeichnis




Für alle Seiten, die auf dieser Website verlinkt sind, möchte ich betonen, daß ich keinerlei Einfluß auf deren Gestaltung und Inhalte habe. Deshalb distanziere ich mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten und mache mir ihre Inhalte nicht zu eigen! Cornelia Savory-Deermann


Site Meter