Cornelias Bulldog Blog
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Freitag, März 1, 2024

Kapelle "Zur hilligen Seele" und

ein zerschossenes Tanklager aus dem WW2


Das Wetter blieb Mitte Februar weiter nass und nässer. Deshalb suchte ich für Clara und mich in der WanderApp Komoot nur Ziele mit festen Wegen, auf denen auch keine Trecker alles verschlammt haben würden. Die Walfahrtskapelle "Zur hilligen Seele" bei Dörenhagen war solch ein Ziel. Und mir gefiel ihr volkstümlicher Name.

Am Weg neben der Kapelle stand ein zum Shop umgestalteter Bauwagen mit dem "Honigautomaten" eines einheimischen Imkers. Clara gefiel das nicht: Bauwagen bleibt Bauwagen, und zu so einem gehören abschreckende Großgeräte, wie sie aus Erfahrung weiß!

Clara weigerte sich ihm näher zu kommen. Beim dicken Baum mit wunderschönen Frühlingsblumen um seinen Stamm herum blieb sie abwartend stehen und ich ging mit ihr gleich weiter zur wirklich idyllisch gelegenen, alten Kapelle, deren Chor im Kern romanisch (10. bis 13. Jahrhundert) ist.

Der uralte Baum neben der Kapelle erschien mir wie ein Naturdenkmal neben einem Kulturdenkmal. Diese Gemeinsamkeit wirkte stimmig, sie gefiel mich.

Die Kapelle war offen, aber Clara wollte partout nicht mit ins Dunkle hinein. Für mich hatte das schlichte Innere mit dem dunklen Chor im Hintergrund etwas Schönes an sich.

Wir spazierten dann über den alten Pilgerweg durch den Wald und Clara genoß endlich unseren Ausflug uneingeschränkt :-)


Am nächsten Tag fuhr ich mit Clara in einer Regenpause nach Herbram-Wald zum "Archäologischen" Pfad. Ich erwartete irgendwelche Ausgrabungen aus dem Mittelalter - aber es handelte sich um die zerbombten Reste eines Tanklagers aus dem 2. Weltkrieg.

Erst 80 Jahre her, und würde Russland die Ukraine nicht seit 2 Jahren mit Krieg überziehen, hätte ich mir dies Elend - als in Europa ausgestanden - gar nicht angesehen.

Rechts und links des Pfades waren Bombenkrater, kaum ein paar Meter nebeneinander. Ich hätte hier keine Möglichkeit gehabt dem Tod zu entfliehen, dachte ich entsetzt.

Clara gefiel unser Rundweg, denn das Land war hier verwildert. Und ich dachte über die "Hillige Seele" des Menschen nach.


Mittwoch, Februar 28, 2024

Faszination Wald


Am nächsten Tag, es war der Rosenmontag, fuhr ich mit Clara zum Hexenplatz auf der Höhe hinter Atteln. Dieses Jahr hatte meine Karnevallaune einen zynischen Beigeschmack: 1611 wurden hier zum letzten Mal Frauen als Hexen verbrannt. Heute ist dieser Platz Teil eines verwildeten Waldstreifens mit dichtem Buchenforst dahinter.

Hier standen keine mächtigen alten Bäume, die Platz geschaffen hatten, sondern mittelalte Buchen waren gefällt worden. Noch ganz kleine Buchensprößlinge wuchsen rundherum. Viel Astwerk war zwischendrin zu Haufen zusammengelegt worden. Eine Jagdkanzel stand am Rande.

Clara freute sich, hier konnte sie rumrennen und viele rumliegende Äste überspringen. Das nasse Wetter des ganzen Winters hatte für prächtiges Mooswachstum gesorgt, aber das interessierte sie weniger ;-).

Ich hatte mich auf einen nicht ganz zubemoosten Baumstumpf gesetzt und Clara bei ihrer konzentrierten Inspektion des Platzes beobachtet. Als sie meinte alles Wichtige des Platzes wahrgenommen und gewichtet zu haben, wollte sie mit mir "Bulldog" spielen :-)

Am nächsten Tag fuhr ich mit Clara in einer Regenpause wieder auf eine der Höhen, diesmal bei der Vienenburg.

Der Wald dort steht unter Naturschutz und wird nur sehr zurückhaltend beforstet. Wir waren den Forstweg durch ihn hindurch früher gelegentlich gewandert, waren aber wegen der breiten, von Brombeergestrüpp völlig überwucherten und meist Wasser führenden Seitengräben nie hinein gegangen. Diesmal suchten und fanden wir eine gute Zugangsmöglichkeit. Der Boden unter dem Laub war tief matschig, also keine tolle Rennbahn, wie Clara gleich feststellte.

Dieser Wald offenbarte sich als fast so wild und undurchdringlich, wie die Wälder der Grimmmschen Märchen.

Dieser Wald wurde wirklich in hohem Maße sich selbst und der Natur überlassenen.

Die Bäume, meist Buchen, machten den Eindruck von Großfamilien: Uralte gestürzte und alte stämmige waren umringt von Spößlinge und Erwachenen aller Altersstufen. Verrottete, schon erdhafte Stämme und bizarre, hohe Bruchstümpfe betonten die Zeitlosigkeit eines Waldes.

Clara bestaunte die riesigen, hochragenden Wurzelteller am Ende von mächtigen, langen Stämmen umgestürzter Bäume. Wir beide stapften durch den eingeweichten Boden zwischen jungen Buchen und Wildschweinspuren herum. Es waren riesige Bäume, die hier seit Jahren vom Regen ausgeschwemmt oder vom Sturm gebrochen und gefallen waren!

Ich glaube Clara erlebte diesen alten Wald als gewaltig und für ihre Nase und Augen ähnlich an- und aufregend wie ich :-)

Mich faszinieren solche Wälder in ihrer Lebendigkeit. Das Ökosystem "Wald" erhält sich selbst perfekt.


Sonntag, Februar 25, 2024

Nasse Täler, deshalb auf in die höheren

Wälder


Gegen Mitte Februar kam die Sonne zwischen Regenschauern häufiger heraus, ich hatte Lust mal wieder an der Sauer zu spazieren. Das Winterhochwasser würde dort inzwischen die Uferwege frei gegeben haben.

Am Lichtenauer Dorfende kam uns ein Kleintrecker mit Schaufelwerk aus dem Tal entgegen. Der alte Mann darin hatte gerade den Talweg sauber geräumt. Er warnte mich vor einem "Bösen Mann", der keine Wanderer auf seiner Wiese sehen wolle und deshalb zwei Rottweiler zum Vertreiben hätte. Er sagte dann besänftigend, die Hunde würden dem Mann aber aufs Wort gehorchen. Ich solle besser nicht über die kleine Stahlbrücke auf seine Wiese gehen. Der Wanderweg sei öffentlich, aber der Bauer eben anderer Meinung. Ich bedankte mich bei dem liebenswürdigen alten Mann für die Warnung. Dieser Seitenweg auf der anderen Sauerseite hatte mich noch nie verlockt, eben weil er schon von dort erkennbar direkt an einem Hof vorbeiführt.

Das Bachbett ist hier im Tal am alten Postweg meistens tief, gelegentlich aber auch flach sich ausbreitend. Das Wasser füllte sein Bett wegen des häufigen Nieselns und der Schauern immer noch voll aus. Den Spuren nach hatte es nach den Dezemberregen teilweise den Weg und die Wiesen aber weiträumig überflutet.

Die Erde war noch überall sehr schlammig, die Uferwiesen standen meist im Wasserbett.

Clara zeigte mir durch ihr relativ lustloses Vorwärtstrotten deulich, dass sie lieber im Wald kreuz und quer rumlaufen würde. Also tat ich ihr am nächsten Tag diesen Gefallen.

Wir fuhren nach einem verregneten Vormittag bei Sonne in die Wälder auf der Hegge. Dort gibt es zwar keine alten Eichen mit ihren Spielräumen darunter, dafür war der Wald aber streckenweise gelichtet worden. Deshalb kann man dort immer wieder mal einen Renn- und Tobeplatz um die Baumstümpfe herum finden.

Kurz vor Lichtenau sah ich am Ende eines Forstweges einen ausgedünnten Waldstreifen, wir wanderten entlang eines verwilderten Kahlschlaggebietes hin. Ja, hier konnte Clara nach Herzenslust rumtoben!

Clara wollte mich in ihren Begeisterungsrausch reinziehen: sie versuchte mich zu einem kleinen Schaukampf zu animieren. Als ich nicht gleich reagierte ging sie zu "Füßebeißen" über, das heißt sie zog an den Schnürriemen meiner Stiefel, damit ich in Bewegung kam.

Natürlich konnte ich ihrem Bulldog-Charme nicht widerstehen. Ich nahm einen abgebrochenen Ast und hielt ihn ihr hin. Sie packte ihn und zog gewaltig daran. Sie ist stärker als ich - als sie ihn mir abgerunden hatte ließ sie ihn fallen und sah mich an: "Noch mal !" Wir wiederholten das Spiel mit verschieden dicken Stöcken.

Clara war selig. Was gibt es Schöneres als selbstvergessen zu spielen! Das gilt auch für mich :-)


Donnerstag, Februar 22, 2024

Clara wittert das nahende Winterende :-)


Zum Februar hin wurde das Wetter etwas sonniger und wärmer. Das Sonnenlicht machte nicht nur mir, sondern auch eindeutig Clara gute Laune.

Wir spazierten seit Herbst erstmalig wieder auf der Kante des Steilhanges zum Altenautal entlang der Kahlen Platte, im Volksmund "Himmel" genannt: Ehemals ein heidnischer und heute ein christlicher Kultplatz. Die Weihnachtsbäume waren für das kommende Osterfeuer schon aufgestapelt. Ein riesiges Kreuz wird dann noch daneben aufgebaut.

Die Tradition, dass Essen zu kultischen Feiern gehört, bezeugt sogar das christliche Abendmahl. Jedenfalls gibt es hier oben im "Himmel" einen beliebten Picknikplatz. Im Herbst hatten wir daneben angekohlte Astreste eines Lagerfeuers gesehen. Für mich hatten die Dezemberregen alle Spuren davon weggespült - für Claras Nase aber offensichtlich nicht gründlich genug :-).

Einer meiner Lieblingswege führt auch entlang einer Waldkante, dem Puttenholz. Als die Sonne Anfang Februar spätmorgens ein Loch in die Wolkendecke zu brennen begann, brach ich mit Clara dorthin auf.

Clara zeigte, seit es nicht mehr so dunkel, nass und kalt war, durch ihr Rumtanzen auffallend gute Laune draußen in der Natur. Ich glaube wie die Wildtiere spürt sie das Winterende nahen.

Erste Frühlingsboten ließ Göttin Flora sprießen, im Garten die Hamamelis Zaubernuß und die Christrose. In der Flur blüten erste Weidenkätzchen über Schneeglöckchen und im Wald zeigten die ersten Roten Prachtbecherlinge ihre noch winzigen Kelche.

Das Wetter war Anfang Februar zwar wechselhaft, aber überwiegend nieselig. Clara war weiterhin in aufgekratzter Vorfrühlingsstimmung, jedenfalls ausgeprägter als ich.

Sie sprang mich einmal aus heiterem Himmel zum Spielen an. Ich warf einen Stock für sie hoch und weit weg. Aber sie ignorierte ihn... Naja, einem Tier oder Stock nachzulaufen war noch nie ihr Ding gewesen. Trotzdem wollte ich es wiederholen. Ich dachte vielleicht bekommt sie ja doch noch Spaß daran, so wie jeder Hund.

Bevor ich den neuen Stock werfen konnte, hatte sie ihn schon blitzschnell am anderen Ende gepackt und zog gewaltig daran. Ich verstand: "Neli, irgendetwas nachzujagen ist öde. Aber um etwas zu kämpfen, das ist ein aufregender Spaß!" Eine Bulldogge eben :-)


Eva, Frauchen von Clara´s Urlaubsfreund Scotch, schickte uns wieder liebe Grüße aus Bayern. Der alte Scotch zeigt mit diesen Bildern das andere Ende des so faszinierenden Bulldogtemperamentes: GEMÜT PUR !


Montag, Februar 19, 2024

Ein besonders schöner Tag im Wald


Die Sonne erhellte zum Januarende für weitere Tage Land und Stimmung. Ich fuhr mit Clara wieder auf die weitläufigen Blankenroder Bergeshöhen. Eine erste Etappe machten wir, wo der Glasebach sich aus dem Sumpf heraus nach und nach zu einem Bach formiert, in dem sich der blaue Himmel manchmal spiegelte.

Es war ein kalter Tag, Eis und Raureif glitzerte immer wieder mal am Wegrand auf. Das Gelände war hier im Wasser stehender Auwald, deshalb blieben wir nach ein paar Testschritten auf dem Forstweg.

Aber schon bald fuhren wir weiter hoch, denn ich wollte mit und für Clara ein trockenerdiges Waldstück zum Rumtollen finden. Einen Wald, wie er Naturvorbild für Kinderspielplätze ist. An der Abbiegung bei einer vergessenen, bemoosten Bank begann ein Weg entlang eines solchen Waldstückes.

Bald kamen wir zu einem solchen Platz unter einer mächtigen, alten Eiche. Ihre in den Jahren abgebrochenen Äste waren eine Kletterchance! Clara donnerte los :-)

Ich sehe ihr unendlich gerne zu, wenn sie vor Lebensfreude fast explodiert :-)

Wir stapften weiter in den Wald hinein. Clara drehte zwischendurch noch ein paar mehr Lustrunden. Ihr Adrenalinrausch steckte mich sozusagen an - bis ich nicht mehr wußte wo genau unser Weg war. Naja, die Sonne half bei der Orientierung ;-)

Dann gingen wir den Weg weiter. Clara explorierte überwiegend an der Waldkantenseite. Die mit Gestrüpp fast zugewachsene Schonung an der anderen Wegseite verlockte weder sie noch mich.

Die Sonne sank bald tiefer, wir fuhren zurück an der aufregend wilden Steilkante zum Altenautal vorbei. An solchen Tagen kann ich die Welt nur lieben :-)


Freitag, Februar 16, 2024

Eine Sturmfront, dann strahlendes

Wintersonnenwetter


Da Clara in den letzten Tagen im wilden und steilen Totengrund nicht ungebremst lostoben konnte, fuhr ich mit ihr zu ihrem Lieblings-Spielwald am Schwarzen Bruch. Es herrschte bei uns zuhause im Tal starker Wind, aber als wir dort auf der Hochfläche aus dem Auto stiegen, blies es mich fast um.

Clara weigerte sich in den alten Eichen- und Buchenwaldstreifen tiefer hinein zu gehen. Sie blieb einfach stehen!

Ich wunderte mich zunächst, aber dann gab ich ihr Recht: das war bei diesem Sturmwind ziemlich gefährlich, uns könnte sehr leicht ein dicker Ast um den Kopf fliegen. Ich vertraue ihrem Naturinstinkt, wir fuhren nach Hause, denn auch auf dem Waldrandweg brauste, krachte und knackte es in den alten Bäumen neben uns.

Am nächsten Morgen strahlte über dem Frühdunst schon ein blauer Himmel. Es war kalt, der Tag wurde herrlich klar und sonnig werden. Ein Januartag, wie von uns erträumt. Clara streifte länger als sonst in den letzten Wochen in ihrem Garten herum.

Ich beschloß mit ihr in den weitgehend naturbelassenen Eichen- und Buchenwald beim Tierpark Willedadessen zu fahren.

Wir folgten den Wegen entlang eines Waldbaches, der aus Quellen gespeist wird und nicht nur nach Regen Wasser führt. Im Sommer füllt er ein Tretbecken, das Wanderer und Radfahrer gerne nutzen.

Dieser Wald ist bei Einheimischen wie bei Touristen beliebt. Clara schnupperte viele Hundespuren, die sie natürlich übermarkieren mußte :-)

Der Himmel strahlte in einem Blau, das nicht nur aus sachlichen Gründen als himmlich empfunden wird :-)

Ich fuhr mit Clara über die Blankenroder Höhe zurück. In diesen Wäldern begegnen wir ganz selten anderen Menschen. Ich liebe die Einsamkeit in der Natur. Und Clara war begeistert über einen zweiten Ausflug, anstatt gleich nach Hause zu kommen.

Hier auf der Höhe war es deutlich kälter als im Willebadessener Tal. Es wuchsen viele Fichten unter den Buchen und Lärchen nach. Im Schatten waren die Pfützen unter wunderbar ausgeformten Strahlenkränzen zugeeist.

Die Sonne beherrschte diesen Tag. Sie freute und bannte unsere Herzen - sogar die Handykamera registrierte das :-)


Dienstag, Februar 13, 2024

Regenwasser formt(e) den Totengrund


Gegen Ende Januar konnte man die Spuren der Dezember-Überschwemmung besonders im weitgehend ursprünglich gelassenen Totengrund bestaunen. Das meiste Wasser war inzwischen abgeflossen. Wasser hatte das Tal geschaffen - und formt es weiter.

Clara und ich fuhren an drei regenarmen Tagen hintereinander zu diesem bezaubernd verwilderten Tal, jedes mal einen anderen Abschnitt durchstöbernd.

Ein Wasserloch zeigte am ersten und auch noch am zweiten dieser Tage seine zerbrochene Eisdecke. Nebenarme in flacherem Grund waren mit stehendem Wasser gefüllt, an steilen Stellen floss es sogar noch munter.

Die Wasserabläufe waren alle durch die starke Flut von sich sammelndem Regenwasser verbreitert worden. Ganze Neuarme hatten sich zudem gebildet. Viele Bäume waren umgekippt, weil ihre Wurzeln aus dem Grund rausgespült worden waren. Manche standen noch, aber verdächtig schief...

Clara und ich gingen vorsichtig und staunend entlang einiger hoher Uferkanten. Ich war fasziniert von den sichtbar gewordenen Wurzeln: wie urzeitliche Klauenwesen hielten sie sich erfolgreich im Rest des Bodens festgekrallt, der ihnen geblieben war.

An manchen Stellen kamen wir bis an den steinigen Bachgrund. Überwiegend war der Grund aber noch verschlammt und pfützig. Hier gefiel es Clara und mir weniger :-)

Wurde uns das Gelände zu steil, so wichen wir auf terrassenartige Zwischenhöhen aus; an einigen Stellen sogar auf den asphaltierten Forstweg in halber Höhe des Tals.

Am späten Nachmuttag des dritten Tages fanden wir nirgendwo mehr Wasser. Die Reste waren im dunklen Humus der nun überall tiefer und breiter ausgewaschenen erdigen Bachabschnitte versackt. An anderen Stellen war es im karstigen Untergrund des Bachbettes verschwunden.

Es waren abenteuerliche Unternehmen hier im Totental. Wir waren danach jedesmal zufrieden - und hungrig :-)


Samstag, Februar 10, 2024

Das war´s erst mal mit dem Winter...


Der letzte der Schneetage fiel auf einen Sonntag. Clara und ich trafen auf dem Henglarner Nordhang auf eine Gruppe lachender junger Leute, die ihre Schlitten an starken Bändern hinter einen Tecker spannten. Sie starteten bei einem Riesen-Schneemann mit seinem Nachwuchs, der das Tal überwachte :-)

Clara war anders als ich überhaupt nicht von dieser Begegnung angetan! Sie hätte Pferden den absoluten Vorzug gegenüber diesem stinkenden, lautem Ungestüm gegeben!

Ich mußte sie an der Leine festhalten, sonst wäre sie auf Sicherheitsabstand weggerannt.

Sie blieb nervös, auch als die Trecker-Schlittengruppe schon abgebogen war. Ich glaube, sie befürchtete in meinem Spaß an der Begegnung könnte ich auf die Idee kommen zu fragen, ob ich auch mal mitfahren dürfe... sie kann zu oft meine Gedanken lesen :-)

Über Nacht war aller Schnee im Regen geschmolzen, starker Wind beherrschte den Tag. Ich fuhr mit Clara auf die Höhe zum Puttenholz bei Haaren - unvereist war der Landwirtschaftsweg dorthin wieder befahrbar.

Der Wind brauste hier so laut durch die Bäume, dass ich mein eigenes Wort nicht verstand. Ich liebe solchen Wind, es ist ein Energiebad :-)

Ich überlegte kurz, ob der Weg wegen möglichem weiterem Baumbruch zu gefährlich sei. Aber nein, ich fühlte mich sicher. Und Clara offensichtlich auch. Sie riecht Gefahr (oder auch nur Unbill) lange vor mir.

Der Waldboden duftete nach Erde und altem Holz - für Clara nach Vielem mehr. Und an diesem Tag waren meine Rückenprobleme wie weggeblasen :-)


Mittwoch, Februar 7, 2024

Weitere weiße Wintertage


Der Schnee blieb noch weitere Tage liegen - so wie es sich für einen anständigen Januar gehört ;-). Im Garten sahen wir jeden Morgen Spuren auf unserem zugefrorenen kleinen Teich. Ich dachte, dass vielleicht die wilde graue Katze, wenn ihre Vertreiberin Clara schläft, an die Goldfischen ran zu kommen versucht.

Vom Fenster aus rätselten Stu und ich, wie und wo sie auf den Teich gekommen war - keine Spuren zeigten einen solchen Weg. Als ich rausging sah ich die Antwort.

Am einem dieser Tage spazierten Clara und ich am frühen Nachmittag entlang der Kante des steilen Nordhanges oberhalb unseres Dorfes. Clara donnerte gleich los vor Freude. Das schöne Wetter machte auch ihr gute Laune :-)

Die Baumstämme auf der Hangkante ließen uns in der tief stehenden Sonne wie durch Schattenspiele laufen.

Eine Buche am Wegrand hatte zwei Mini-Feenbrücken entwickelt und sozusagen zwei Fenster damit gebaut. Es ist für mich immer eine Freude, so etwas zu entdecken :-)

Kaum zu glauben, am nächsten Tag strahlte die Sonne über Stunden :-)))

Ich fuhr mit Clara zu ihrer kleinen Quelle am Holtheimer Bach. In den Schneewiesen würde ihr Wasserlauf besser als je zu erkennen sein. Sie rannte so schnell sie konnte aus Begeisterung wieder vor. Nach einer kleinen Weile kam sie zurück und trottete dann weiter geduldig neben mir her.

Unsere Quelle verriet sich schon von Weitem durch das breite grüne, geschwungene Band im Schnee, das von ihr ausging.

Ich war überrascht, wie viel Wasser sie aus ihrer vielleicht 15 cm Durchmesser großen Erdöffnung raussprudelt.

Über unseren Weg liefen viele Tierspuren, aber Clara beschnupperte die nicht weiter... Einge waren auch für mich erkennbar nicht mehr frisch. Der Schnee knirschte unter meinen Stiefeln, der Bach rauschte leise, sonst war alles still.

Eine Überraschung war das Halo am blendend hellen Himmel. Es sah aus wie ein senkrecht stehender Regenbogen - war aber keiner. Nicht Regen, sondern Eiskristelle in hohen Zirruswolken reflektieren so Sonnenlicht. Es begleitete uns den ganz Weg über.


Sonntag, Februar 4, 2024

Schnee in Hülle und Fülle - sogar im Tal


Die ganze nächste Nacht schneite es durch. Morgens war sogar der Platz unter unserer riesigen Tanne weiß bedeckt. Clara hinterließ schöne Spuren :-)

Mittags kam die Sonne immer wieder mal zwischen den Wolken durch. Wir spazierten zum Dorfquellteich. So eingeschneit erlebt man ihn längst nicht mehr in jedem Winter.

Hier sind oft Hundeleute unterwegs. Clara widmete sich manchen Markierungen wirklich intensiv. Wir waren rechtzeitig dort: bald würden Kinder mit ihren Schlitten kommen.

Gestrüpp und Bäume wachsen dicht rund um den sich zergliedernden Quellteich. Die Kopfweiden an den Wasserrändern wirkten wie riesige Besenköpfe. Überhaupt sah es hier wie in einer Korbflechter Vorratsanlage aus ;-)...

Enten sahen wir zu meiner Überraschung nicht mehr auf dem Wasser. Vielleicht waren es die hiesigen, welche sich jetzt auf den Überflutungsteichen tummelten. Wir sahen auch keine Reiher am Wasser, von denen seit dem Hochwasser viele auf den Wiesen stehen. Für Clara schien es relevanter zu sein, dass vom Dorf her Hundegebell erklang!

Auf unserem Rückweg blendete uns die Sonne hin und wieder. Durch die dunklen Wolken hindurch scheinend hätte sie auch der Mond sein können :-) Ein schöner Wintertag.


Donnerstag, Februar 1, 2024

Schnee in nasser Kälte


Nach den Glatteistagen Mitte Januar schneite es 2 Tage lang, 10 cm hoch lag der Schnee in unserem Garten, doppelt so hoch in der Egge östlich von uns. Die Temperaturen schwankten um die - 3 Grad. Es herrschte weiter nasse Kälte. Ich vermisste die klaren, kalten Sonnentage, die der Januar früher oft brachte.

Bei diesem Wetter hatte ich eine fiebrige Grippe eingefangen, fuhr aber mit Clara trotzdem los zum Meerhofer Wald. Schnee ist selten bei uns geworden, ich wollte den verschneiten Wald nicht verpassen. Und Clara tanzt sowieso vor Glück um mich und ihr Halsband herum, wenn es raus ins Land geht. Hat sie es an, dann wird Stu umtanzt :-)

Das Fahren auf Schnee hatte ich noch nicht verlernt, trotzdem verunsicherte mich das gelegentliche Rutschen. Am Wegesrand im Neuschnee mit vermutlich Eis darunter zu parken traute ich mich nicht. Ich fand eine Parkmöglichkeit, wo ein Trecker den Schnee schon verfestigt hatte.

Es war windstill, wohl jede Schneeflocke war auf jedem Ästchen liegen geblieben. Eine so schöne, filigarne, aber auch verletztliche Zauberwelt!

Clara war glücklich, verschwand erst mal kurz im Wald einer offensichtlich verführerischen Spur nach. Dann lief sie den Weg vorraus - deutlich zügiger als ich etwas schwer atmend mitkam. Diese nasse Kälte... trotz Grippe war ich aber froh raus gefahren zu sein.

Ich beschloß schon bald zurück nach Hause zu fahren. Fühlte mich noch nicht von der Grippe kuriert, und Unvernunft zahlt sich nicht aus!

Der Schnee hielt sich. Am nächsten Tag war ich wieder fieberfrei. Ich fuhr mit Clara zum abseits liegenden Birkenhof im Nachbardorf, denn dort wird der Parklatz schneefrei gehalten.

Es herrschte Bodenfrost, deshalb wollte ich mit Clara querfeldein gehen, was wir beide lieben. Aber ich hatte mich getäuscht. Der Feldboden bestand jetzt nur aus steinharten Brocken - wenn man nicht aufpasste, könnte man heftig umknicken und fallen. Clara versuchte erst gar nicht loszurennen... kluges Mädchen :-)

Es machte hier keinen Spaß. Ich ging zurück und beschloß stattdessen vom Parkplatz an der Altenau in Henglarn aus an deren Ufer entlang über die Weiden zu laufen. Ich wollte mir die noch vor zwei Wochen überschwemmten Uferkanten ansehen. Ich sah seit Jahren einmal wieder gefrorene Tropfen :-)

Die alten Uferwände waren ausgewaschen. Ich sah jetzt, dass unter der weggespülten Erd- und Grasdecke sowie dem weggeschwemmten Gebüsch irgendwann mal Steinmauern als Befestigung angelegt worden waren. Die vielen Drainagerohre ins Bachbett aus dem bebauten Hang gegenüber der Auenweiden überraschten mich auch. In und unter dem Ufergebüsch waren sie mir nie so aufgefallen. Immerhin hielten sie auch unser Haus beim weihnachtlichen Hochwasser trocken.

Clara intessierte sich mehr dafür, was im gefrorenen Morast der überschwemmt gewesenen Wiese vielleicht zu entdecken sei :-)


Sonntag, Januar 28, 2024

Die kleinen Bäche leerten sich schon wieder


Durch das Tal der Dicken Buche war ein breiter Regenbach über die Felder abgeflossen, wie man von der Straße hatte sehen können. Ich vermutete, dass der schon wieder leer sei und fuhr mit Clara hin. Es war immer noch eisekalt und sonnig. Wir parkten an der Hütte vom Wandererverein, ab hier beginnt das schnell enger werdende Tal.

Das Tal verengt und vertieft sich schnell, das Wasser fließt dadurch stürmischer. Sein hier steilrandiges Bachbett zeugt davon. Clara findet es immer untersuchenswert, was das Wasser so alles ausgespült, herunter gerissen und mit sich fortgetragen hat.

Die Regenfluten hatten viele starke Bäume am Steilhang entwurzelt, das heißt die Wurzelballen ausgeschwemmt.

Kurz vor der Dicken Buche wurde dieses Winterbachbett steiniger, unebener und lag stellenweise fast zwei Meter tief. Eisplatten schmückten den trockenen Grund und Eiszapfen die Stufungen. Eine kristalline Pracht.

In der Natur liebt Clara kleinere Herausforderungen. In der zivilisierten Welt aber überhaupt nicht ! Sie ist ein dominizierter Wolf, der sein weiches Bett und das Gefüttertwerden liebt. Sein Menschenrudel auch - aber das ist es schon. In der Natur blüht sie auf - ich übrigens auch :-)

Mitte Januar taute alles bei um die 0 Grad herum. Wir hatten extremes Glatteis.

Nachdem ich gleich vor unserer Haustüre hart auf dem Po gelandet war, verließen wir für zwei Tage das Haus nicht mehr. Clara beschloß das Beste daraus zu machen :-)


Donnerstag, Januar 25, 2024

Das Menthal


Die Menn ist ein größerer Regenabfußbach - wenn es denn Regen gab. Sonst ist sie eine Trockenrinne in einem romatischen, stillen Tal bei Henglarn. Hier mündet sie in die Altenau. Die Hochwasser der weihnachtlichen Regenzeit zogen sich zurück. Die Menn führte nur noch gemäßigt Wasser.

Das kalte Wetter hielt sich für einige Tage, der Schnee gefror zu körnigen Kristallen. Der Forstweg entlang der Menn würde hart gefroren und somit gut zu belaufen sein. Es war einer dieser schönen, klaren Wintertage. Gegen Mittag fuhr ich mit Clara ans Dorfende hin.

Das Tal steigt langsam an und wird breiter, bis es sich später wieder zu einer wilden Gesteinsschlucht verengt. An dieser Stelle fließt ein Regenbach aus einer Nachbarschlucht hinzu. Dort liegen immer gebrochene und ausgeschwemmte Bäume herum, die Szene könnte von Caspar David Friedrich gemalt sein.

An diesem Zusammenfluß geht es über einen steilen Trampelpfad runter ans Wasser. Auch nach vielen Monaten weiß Clara noch genau, welche Pfade sie einmal ging. Sie bog zielsicher auf den kaum erkennbaren Trampelpfad zum Wasser runter ein.

An den zwei kleinen Steilstellen wartete sie kurz und beurteilte diese dann als begeh- oder springbar. Sie stellte nur kurz sicher, ob ich das genauso sehe :-).

Ich hatte zwar an diesem Tag ziemliche Rückenschmerzen, aber runter ins wilde Bachbett wollte ich doch. Wildnis atmen :-)

Über den ganzen Rückweg hinweg machte ich immer wieder Pausen, um mich abzustützen und den Rücken zu entspannen. Clara läuft dann nicht rum, sondern bleibt ruhig bei mir stehen, bis ich weiter gehe. Sie behält mich stets im Auge und Ohr.

Die Menn entspringt nicht in einer Quelle, sie bildet sich in den Weidegebieten des Ottergrundes bei Helmern aus Regenlaachen heraus. Am nächsten Nachmittag fuhr ich mit Clara zu der Stelle, wo die Menn in die Gesteinsschlucht nach Henglarn eindringt.

Mein Rücken machte immer noch etwas Probleme, deshalb gingen wir nicht den wilden Schluchtweg, sondern bachaufwärts durch den sanften Ottergrund. Hier floß nur noch sehr wenig, ganz ruhiges Wasser, sodaß sich darüber eine Eisschicht hatte bilden können. Eine klare, friedliche Welt in tief stehender Wintersonne :-)


Montag, Januar 22, 2024

Es wurde kälter und trockener


Es war trockene Kälte angesagt worden... abwarten, dachte ich aus Erfahrung.

Jedenfalls wurde es nebelig, oder die Wolken lagen auf der Erde auf. Den ganzen Tag über blieb es dabei. Ich fuhr mit Clara zum Piepenteich - die Straße war nicht mehr überflutet, die Wasser stark gesunken. Es machte uns kein Regen mehr nass, dafür feuchtete die Nebelluft uns gründlich ein. Clara erledigte ihr Big Business, dann sah sie sich lustlos um.

Am nächsten Morgen staunte ich, mit Schnee im Garten hatte ich bei uns im Tal nicht gerechnet! Wohin Clara und mein Tagestrip gehen würde war klar: entlang am Altenau-Quellbach auf die Blankenroder Bergeshöhe :-)

Clara hatte ihren Spaß durch den hier verwilderten Wald zu laufen. Mir kam es kälter vor, als es tatsächlich war. Keine Pfütze trug auch nur eine hauchdünne Eisschicht.

Am nächsten Tag war es tatsächlich kalt: -5 Grad und die Sonne kam hervor! Ich freute mich und fuhr mit Clara in die Egge hinter Altenbeken. Dort reichen die Berghöhen mit ihren Wäldern etwas höher und manche Schluchten sind wilder als bei uns im Lichtenauer Teil der Egge. Der Boden würde fest gefroren, trocken und somit gut zu begehen sein.

Clara rannte los, sie freute sich! Sie freute sich so sehr, dass sie sich mitten auf dem eisverklumpten, alles andere als weichgrundigen Weg auf den Rücken warf und sich bei einem dicken Grasbüschel rummrollte und vor Wonne grunzte ;-)

Wir gingen nicht mehr weit, denn ich bekam eiskalte Zehen... Hatte zwar dicke Schuhe, aber nur dünne Socken an :-(... Wir fuhren zurück.

Der Weg führt durch Dahl, und dort direkt vorbei am Skulpturenpfad in einem Buchenforst. Dort waren wir Monate nicht mehr gewesen, weil ich Forste im Gegensatz zu Wäldern nicht liebe. Aber die Waldklanghütte mit der Holzstangenmusik lohnt sich immer wieder mal, dachte ich. Meine Füße waren inzwischen angenehm erwärmt, also nochmal los, damit Clara ihren Winterspaß hat :-)

Wir waren kurz vor der Abbiegung des Trampelpfades zur hölzernen Klangwelt, und Clara erstaunte mich: sie lief vor und bog dort ab! Entweder sie erinnerte sich an ihren einzigen Besuch hier vor mehr als einem Jahr, oder sie hatte meine Gedanken gelesen!

Ich schlug diese tönenden Holzstöcke, sie brummten, dröhnten hoch oder tief weit in den Wald hinein. Clara rannte diesmal nicht erschrocken weg, sie blieb einfach nur stehen und wartete ruhig ab, bis es wieder still im Wald war :-)

Meine Füße waren wieder eisig kalt geworden, so gingen wir den Pfad nicht weiter sondern zurück zum Parkplatz. Bei unserem Weg nach Hause fuhren wir über die wieder geöffnete Straße am Ebbinghausener Überlaufbecken vorbei. Ich war baff, welche großen Treibhölzer die Flut auf den Weiden zurück gelassen hatte. Ganze Stämme waren dabei. Das Wasser hatte sie entwurzelt.


Freitag, Januar 19, 2024

Das neue Jahr startete mit zwei

regenfreien Tagen, dann wieder Regen...


Ab Neujahr sanken die Hochwasser für zwei Tage. Ich war erstaunt wie schnell das geht, wenn es mal nicht regnet. Zurück ließen die Fluten verschlammte Landstreifen. Clara und ich entschieden auf dem Weg entlang der Kante des Nordhangs bei unserem Dorf Henglarn zu spazieren und die lange vermisste klare Aussicht zu genießen.

Die Unwetter des Dezembers hatten auch dort oben manchen Bäumen den Garaus gemacht.

Am nächsten Tag fuhren wir erneut nach Lichtenau zum kilometerlangen Streifen Eichen- und Buchenurwald entlang eines Weges zwischen Nasswiesen und totem Fichtenforst.

Wir entdecken dort immer noch neue Stellen, die für Clara und mich - auch bei nassem Wetter - ein Spielplatz auf freiem und festem Boden sind. Es parkten schon einige Autos dort. Nun ja, oft genug haben wir hier die Natur für uns allein, also können wir sie auch gelegentlich Anderen gönnen ;-)

Dann regnete es wieder weiter. Es regnete seit Wochen so viel und so oft, dass wir inzwischen auch bei Regen rausgingen, um überhaupt raus zu kommen.

Wir fuhren zum Totengrund etwas hinter unserem Dorfende. Ich erwartete, dass das Bachbett dort zum ersten Mal, seit wir hier leben - und das sind 35 Jahre - etwas Wasser führen würde. Ja, dieser Dezember hatte das geschafft! Es plätscherte sanft im Talgrund: und dabei an vielen Stellen durch ein völlig überdimensioniertes Bachbett aus uralten Zeiten.

Der Regen verstärkte sich, wir gingen zurück zum Auto. Clara lief bald ziemlich schnell voraus, passte aber auf, dass sie mich dadurch nicht abhängte, sondern nur antrieb :-)

Ich machte ihr die Hintertür von ihrem "Doggy Car" auf, und bevor ich mich zu ihr runter gebeugt hatte, um ihr Hinterteil wie immer hoch zu hieven, war sie schon - mit den Hinterpfoten auf dem untereren Türrahmen gestemmt - senkrecht hoch hinein geklettert! Und das zum ersten Mal ALLEINE! Ihre Ansporn: Ich war ihr nicht schnell genug gewesen, sie wollte SOFORT ins Trockene!

Nach einem weiteren Tag Dauerregen fuhr ich - bei nur noch Nieselregen - mit Clara wieder ins Totental. Der Forstweg war am unteren Talende für ein kurzes Stück komplett zum flachen Bach geworden! Das hier breite, aber flache Bachbett war überfordert! Ich fuhr mit Schwung hindurch und hoch bis zur Parkmöglichkeit am Picknickpilz.

Wir stöberten zuerst talabwärts durch den Wald entlang des breiten Regenbaches. Clara ging sogar mit den Pfoten an einer stillen Stelle hinein :-)

Bachaufwärts ist der Wald und die Schlucht allerdings etwas wilder. Über eine durchmatschte, uralte Brücke gingen wir dann áuf der wegelosen Bachseite wörtlich über Stock und Stein dem mal stürmischen, mal ausladend meandrierendem Regenbach folgend aufwärts. Je höher es ging, um so weniger Wasser hatte der naturgemäß Bach aufgenommen.

Plötzlich warf Clara sich auf den Rücken und rollte sie sozusagen juchzend im Gras. Leider war ich zu langsam mit der Kamera. Ein Foto von "nachher" sagt aber auch noch genug.

Es wurde langsam dunkel und ich beschloss zurück über Haaren und dann den Höhenweg hinter unserem Haus zu fahren - vielleicht erwichte ich dort oben, wo der Blick nach Westen frei ist, einen schönen Sonnenuntergang.

Wir hatten Glück. Mit dem ganzen Tag :-)


Dienstag, Januar 16, 2024

Viele nasse Auen und ein matschfreier Wald


In jeder Aue, in jeder Bodensenke stand das Wasser. Ich wollte wissen, ob die Große Doline in der Hochebene bei Grundsteinheim auch zum Teich geworden war. Clara und ich fuhren hin. Aber - ich hatte es wegen des höhlenartigen Karstuntergrundes fast erwartet - sie war leer wie in Trockenzeiten!

Clara und ich bestaunten sie als stets wasserleeres Riesenloch. Ich dachte hier kann jederzeit noch mehr Boden einkrachen auf diesem unsicheren, durchlöcherten Untergrund. Es hatten sich auch keine Laachen in den Äckern um die Doline herum gebildet, der Boden war nur matschig.

Wir fuhren runter in die nahen Dörfer Iggenhausen und Grundsteinheim im Sauertal. Ja, die Sauer war voll wie nie! Die Doline auf der Hochebene ist ein Erdeinsturz in eine darunter liegende Karsthöhle. Sie war völlig wasserleer geblieben, da die Unmengen an Regenwasser durch ihren Grund durchsackten in noch weit tiefer liegende Höhlräume. Im Sauertal füllte dies Wasser als hochdrückendes Grundwasser die Sauer dann zusätzlich von unten.

Zum Spazierengehen fuhren wir zurück zu unseren Dörfern an der Altenau.

Am Überlaufbach der Altenau hinter der Husener Annenkappelle gibt es einen Dammweg, der wie erwartet wasserfrei war. Das Grundwasser auf den Wiesen daneben war flächenweise so hoch wie der Abflußbach selbst.

Obwohl es schon wieder leicht zu regnen begann, marschierten wir los. Ich glaube Clara ging nur mit, weil sie es für ihre Pflicht hält mich zu begleiten. Sie sah mich einige Male mit schräg gehaltenem Kopf fragend an... also gut! Ich sagte "zurück" und sie donnerte sofort zurück zum Parkplatz.

Unser Heimweg führte ein paar Kilometer weiter bei Atteln an der Altenau im Mühlental vorbei. Der Regen war jetzt nur noch ein Nieseln, also bog ich dort in die asphaltierte Sackgasse hinter einem weiteren Rückhaltebecken ein. Der Bach schmiegt sich hier an eine Steilwand ran. Das Mühlental ist wieder ein Auental: die Altenau bildete hier Nebenarme, Inseln und kleine Teiche neben sich. Clara blieb ziemlich lustlos...

Ich beschloss am nächsten Tag mit ihr auf der Hochebene zu ihrem Lieblingswald zu fahren: dem Streifen Eichen- und Buchenurwald vor einem toten Fichtenforst bei Lichtenau Richtung Willebadessen.

Der Waldboden war nicht mal matschig, nur feucht. Clara konnte ihr Glück kaum fassen. Sie rannte los, umkreiste die Eichen weiträumig, schlug sogar Haken. Das Moor unweit des Waldes stand im Wasser, dort mußte ein wasserundurchlässiger Untergrund sein, hier im Wald jedenfalls nicht!

Für mich war es auch eine große Freude wieder "normales" Land unter den Füßen zu haben. Ich stapfte durch das Laub und über das Bruchholz hinter Clara her - ihrer Meinung nach zeigte ich dabei aber zu wenig Leidenschaft ;-)

Es war eine verspielte, schöne Stunde. Clara kann mit tiefer Lebensfreude anstecken :-)


Samstag, Januar 13, 2024

Auentäler an der Altenau


An zweien der letzten Tage des Jahres schenkte uns die Sonne ihre Gunst für ein paar Stunden. Am ersten dieser Tage fuhr ich mit Clara zum Wanderweg entlang des Quellbachs der Altenau bei Blankenrode.

Über den Sommer war das Bett des Quellbaches hier mit großen Baggern renaturiert worden: jetzt wand es sich in vielen Schleifen durch die Wiesen des Tals, sogar ein Inselchen mit ein paar Bäumen sah ich. Das neue Bachbett sah inzwischen nicht mehr nur nach einer Baustelle aus, denn es war durch die Regentage gut gefüllt und weitgehend war Gras auf der nackten Erde der neuen Bachufer gewachsen.

Von der Straßenseite aus hätten wir zum Bach durch eingeweichten Wiesengrund stapfen müssen, deshalb versuchte ich mit Clara vom Weg entlang des gegenüber liegenden Steilufers aus ans Ufer zu gelangen. Wir fanden eine Stelle, an der Bach nah war und leicht erreichbar erschien, zumal dort nur wenig Brombeergestrüpp wuchs.

Wasserlaachen standen zwischen den Bäumen, ich dachte, die können wir umgehen. Falsch gedacht! Auch unter den Stellen voller Grasbüschel sackten wir ins Wasser ab: Clara hinter mir bis zum Bauch und ich bis fast an die Knie. Das hieß Rückzug!

Zuhause gingen wir dann unseren Standardweg auf der Höhe hinter unserem Zuhause. Die Sonne erfreute auch hier ;-)

Wir haben in unserer Gegend viele weite, flachgrundige Täler. Ein Bach fließt typischerweise entlang des Steilhanges hindurch. Bei Hochwasser bildet der Talgrund ein natürliches Überlaufgebiet, ein Auenland eben :-)

Die Verbindungsstraße der Taldörfer Atteln - Henglarn - Etteln liegt erhöht wie ein Damm - und heißt auch so. Von Henglarn bachaufwärts Richtung Atteln ist das Bachbett ziemlich tief mitten in weiten Wiesen. Bis zum Rand gefüllt erlebte ich es jetzt erstmalig! Clara ist gewohnt hier querdurch bis zum Dorfquellteich zu spazieren - und wollte es gleich wieder. Ich hielt sie zu ihrem Erstaunen an der kurzen Leine, als ich zum Fotografieren bis an den Rand des wild strömenden Wasser heran ging. In den letzten drei Tagen war es weiter gestiegen und hatte zwei dicke, alte Uferbäume im Henglarner Dorfpark entwurzelt, das gab mir eine Vorstellung von seiner todernst zu nehmenden Wucht.

In unserem Dorf Henglarn standen am Hellweg - der war Teil eines Jahrtausende alten Salzhandelweges - zwei alte Hofgebäude im Wasser.

Hinter Henglarn bachabwärts Richtung Etteln war der tiefer liegende, weite und flache Talgrund nach diesen Regenmassen fast voll geflutet. Klugerweise wurde er nie bebaut, sondern wird wie eh und je als Vieh- und Pferdeweide genutzt.

Über diese Dammstraße fuhr ich mit Clara am zweiten dieser Sonnentag nach Etteln. Die Altenau hatte im Ort die Fahrradwege an ihrer Seite ganz unter Wasser gesetzt, die höher liegende Uferstraße aber war noch frei.

Das beliebte Bauernhofcafe "Kappellenhof" stand im Trockenen, aber der dazu gehörende schöne Kinderspielplatz stand unter Wasser. Ebenso der Reitplatz am Fischteich, zu dem ich mit Clara spazierte. Der Teich lag still, ich ließ Clara hier rumlaufen, denn aus all den Trockenzeiten weiß ich, dass er nur so um einen halben Meter tief ist. Clara genoß ihre Freiheit, sprang herum und schnüffelte alles gründlich ab.

Laut Wetterbericht soll in ein paar Tagen eine neue Regenfront heran rollen.... Wir Auenleute lassen uns aber davon nicht deprimieren :-)


Mittwoch, Januar 10, 2024

Überflutungen


Die Weihnachtstage über regnete es, mal stärker, mal leichter. Das alte Überlaufbecken Husen, inzwischen renaturiert zum Piepenteich, war Mitte Dezember noch leer gewesen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es bei diesen neuen Wassermengen nicht geflutet wurde - ich fuhr mit Clara Richtung Osten, das heißt die Altenau bachaufwärts hin.

Ab Piepenteich war die Talstraße gesperrt, denn weiter Richtung Dalheim stand sie unter Wasser. In die andere Richtung führt ein Landwirtschaftsweg zur Husener Annenkappelle entlang des in diesem Teil wunderschön zu einer ürsprünglichen Aue renaturierten Bachtals. Auch der war wegen teilweiser Überflutung durch den Piepenteich - jetzt eher ein See - nicht mehr nutzbar. Die Staumauer des Piepenteichs stand komplett unter Wasser!

Das hatte ich noch nicht erlebt: Der Piepenbachteich war zum Schutz der direkt an der Altenau liegenden Dörfer Atteln, Henglarn und Etteln mit deren Wasser überflutet worden. Die Erinnerung an die Große Flut 1965 ist hier in den Dörfern noch lebendig, damals waren Menschen in ihren Häusern ertrunken.

Ich ging mit Clara die Wiesen zum Wasserspiegel herunter. Wir sackten zwischen reichlich Schafskötteln ziemlich in den eingeweichten Boden ein.

Clara war vorsichtig neugierig, sie rannte nicht wie sonst los, sondern stapfte bedachtsam und sich immer wieder vergewissernd, dass ich noch hinter ihr war, zum Wasser runter. Enten schwammen vor ihr fort - wer weiß wo die plötzlich hergekommen waren. Der asphaltierte Wanderweg am gegenüber liegenden Teichrand, den wir gerne gehen, war komplett überfutet. Wir stapften zur für Autos gesperrten Straße zurück und gingen diese runter bis an die Wasserkante.

Clara kennt die Wege hier, sie sah sich häufiger mit gestreckten Hals um, war aber nicht annähernd so überrascht von der Wassermenge wie ich. Natur ist zu allem fähig, sie hat dieses Wissen in ihren Genen. Sie ist immer wachsam, reaktions- sowie anpassungsbereit.

Wir fuhren zurück bis Atteln und spazierten den Weg von der Dorfbrücke aus bachaufwärts. Das Wasser stand hoch, aber nur bis heran an die Häuser und Höfe gefährdenden Grenze.

Die Sauertalstraße von Atteln bachaufwärts nach Ebbinghausen war zu meiner Überraschung wegen Überflutung gesperrt. Am nächsten Tag schien die Sonne, es herrschte das sogenannte Rückseitenwetter hinter einer Warmfront. Es war wirklich warm, zu warm für einen Parka.

Ich fuhr mit Clara die gesperrte Sauertalstraße bis zum Restaurant Birkenhof. Ab dort spazierten wir an der randvollen Sauer entlang bis zu deren Staubecken Ebbinghausen.

Clara sperrte sich eine Weile mit mir auf die Staumauer zu steigen. Der Lärm des brausenden Wassers durch die Ablassrohre war ihr nicht geheuer. Nach gutem Zureden kam sie doch mit - sie hält mich ja manchmal für leichtsinniig, aber nicht für tollkühn ;-)

Der Blick über den temporären Sauertalsee war grandios.

Unsere Dörfer im Altenautal bleiben dank der Regulierung der Wasserstände von Altenau über das Husener Überlaufbecken und ihren Zufluß Sauer über das Rückhaltebecken Ebbinghausen von Überschwemmungen verschont.


Sonntag, Januar 7, 2024

Clara´s kleine Quelle sprudelt wieder


An einem dieser nassen, dunklen Tage klarte der Himmel mittags für eine Weile auf, die Sonne zeigte sich strahlend. Nach all dem Regen hoffte ich, dass die Quelle am Fuß einer riesigen Eiche im sich erweiternden Altenautals zwischen Holtheim und Husen wieder sprudeln würde. Sie war im letzten Frühjahr entstanden, siehe Beitrag vom 25. 4. 23.

Anfang des Sommer war die Quelle versiegt, und außerdem war das ganze Erdreich drumherum von einer Rinderherde zertrampelt worden. Die Tiere hatten dort den Sommer über den Schatten der Eiche genossen. Ich fuhr mit Clara hin - und sah schon von Weiten wie die Nachmittagssonne das in den Wiesen verteilte Quellwasser strahlen ließ.

Clara freute sich, sie rannte los auf die wassergetränkte Wiese, sprang um die Quelle und um mich herum - sie strahlte. Schließlich wieder auf dem Weg war sie bis zum Bauch klatschnaß und schwarze Erdspritzer zierten sie bis auf den Rücken :-)

Am nächsten Tag herrschte Sturm und Dauerregen. Aber, was soll´s...

Clara findet Regenwetter, wie Ihr Leserinnen und Leser wißt, eine Zumutung für ihr feines Fell, allerdings ist ein Regenmantel darüber für sie eine noch größere! Ich wollte trotzdem mit ihr wenigstens kurz raus. Also packte ich nur mich selbst wasserdicht ein, und wir fuhren erneut los zum Quelltal.

Clara ist immer noch für eine Überraschung gut! Kurz bevor wir an der Eiche ankamen, zwischen deren Wurzeln die Quelle entspringt, ging sie ins klatschnasse, moorige Gras und rollte sich darin! Das hatte sie bislang noch NIE bei Nässe in Betracht gezogen!

Mir kam der Gedanke, dass Clara vielleicht so weise ist, an dem, was sie nicht ändern kann, irgendwie eine Freude zu entwickeln :-) Und naß war sie durch den Regen sowieso... Jedenfalls strahlte sie.

Kurzvideo der wieder sprudelnden LINK kleinen Quelle

Ein paar Tage später fuhren wir bei nieseligem Wetter wieder zur Quelle, ihre Quellöffnung hatte sie schon leicht vergrößert. Damit Clara sich nicht wieder ein Moorbad gönnte, spazierten wir gleich weiter durch das idyllische, sich erweiternde Tal zur Mündung des Holtheimer Baches in die Altenau.

Seit einigen Jahren ist die Mündung selbst bei einer alten Steinbrücke leider nicht mehr erreichbar. Ein dicht angelegter Stacheldrahtzaun sperrt die vorgelagerten Wiesen und Sumpfstellen ab. Wegen Claras neuer Vorliebe für Moorbäder war das nicht nur bedauerlich ;-)


Donnerstag, Januar 4, 2024

Sturm- und Regenzeit


Um die Wintersonnenwende herum feierte der Regengott für Tage eine Orgie. In der längsten Nacht des Jahres stürmte und gewitterte es zudem auch noch gewaltig. Meine Gänge mit Clara fielen aus oder verkürzten sich auf die wenigen Regenpausen. Die Altenau hinter unserem Dorf Henglarn stieg so hoch, wie ich es noch nicht erlebt hatte.

Im Dorf selbst liegt der Grund des Bachbettes vielleicht 2 Meter tief. Seine Seitenwände sind steil. Jetzt war es nahezu randvoll. Das Wasser schlug durch die starke Strömung sogar hin und wider weiße Wellen. Besonders beeindruckte mich, wie laut sein Rauschen und Brausen hier war.

Das meiste Wasser erhält die Altenau von der Sauer. An einem dieser wilden Wettertage wollte ich in einer Regenpause versuchen einmal näher an deren Einmündung in die Altenau heran zu kommen.

Diese Stelle ist nur circa 5 Kilometer von unserem Zuhause entfernt. Leider liegt sie weit vom Wanderweg entfernt hinter abgezäunten Viehweiden in der Nähe eines Bauernhofs, der seinen privaten Zufahrtsweg von der Hauptstraße aus hat. Es waren keine Kühe mehr auf dieser Weide, aber sie war durch Stacheldraht geschützt. Ich hatte aber ohnehin wenig Lust, durch die völlig matschige Erde bis dorthin zu marschieren.

An einer Stelle sah ich durch die kahlen Bäume den Zusammenfluß von Weitem. Soviel wurde mir klar: Hier mündet jetzt bei Hochwasser eine viel Wasser führende Sauer in eine nur halb so viel Wasser führende Altenau. In weniger regenreichen Zeiten ist es umgekehrt: die fast leere Sauer mündet in die noch gut Wasser führende Altenau.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Quellbach der Altenau. Kurz vor Blankenrode gibt es einen festen Pfad zu einem Steg darüber und dann weiter ins Tal hinein. Dafür, dass die Altenau hier erst circa zwei Kilometer alt ist, war sie durch den Regen von einem Rinnsal zu einem recht ordentlicher Bach gewachsen!

Die Hölzer der Stegs waren dermaßen glatt, dass ich beim ersten vorsichtigen Schritt schon wegrutschte. Nein, das würde nicht gutgehen, ich ließ es bleiben. Aber Clara riskierte es! Sie robbte sich fast vorwärts, es sah komisch aus: langsam, dem Steg bauchnah durch eingeknickte Beine und mit den Pfoten stets Balance suchend schaffte sie es :-).

Clara hatte ihr kleines Abenteuer und war rundum zufrieden. Somit war ich es auch :-)


Montag, Januar 1, 2024

Herzliche Neujahrsgrüße -

und eine Notiz zur English-Bulldog-Zucht


Wir wünschen Allen ein gutes und friedliches Jahr 2024

Ich gehe dieses Mal zu Neujahr nur kurz auf die Zuchtsituation des English Bulldog in Deutschland ein:

Der überzüchtete Schaubulldog ist leider immer noch gefragt. Das macht die Sache für verantwortungsbewußte Züchter schwierig. Zumal die Welpenkäufer, die Wert auf "Fit For Function" legen, oft auf Kreuzungen wie z.B. den Olde English Bulldog ausweichen. Treffe ich manchmal auf solche Hunde, dann erfahre ich so gut wie immer von ihren Besitzern, dass sie gesundheitliche Probleme haben wie der alte Schaubulldog auch. Es hilft nicht Rassen einfach nur zu kreuzen, wenn die Elterntiere nicht top sind.

Wer einen English Bulldog "Fit For Function" sucht, der findet ihn auch, aber er muß Zeit für eine gründliche Recherche aufwenden.

Eine gute Nachricht: Norwegen hatte die Zucht des English Bulldog wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen, speziell bei der Atmung, verboten. Dieses Verbot wurde 2023 gerichtlich aufgehoben mit der Begründung, dass nicht jeder English Bulldog diese Probleme aufweise. Ein Zuchtverbot könne nur nach Einzelfallprüfung erfolgen. Wie vernünftig, wie der Realität angemessen!

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Donnerstag, Dezember 28, 2023

Ausflug zum Bollerwien und zur Iburg


Mitte Dezember regnete es fast nur und die Temperatur stieg bis an die 10 Grad. Einen regenfreien Vormittag nutzten Clara und ich zu einem Ausflug zum Bollerwien Quellgebiet und zur Iburg auf der Höhe darüber. Von dort hat man einen weiten Blick über Bad Driburg bis zum Teutoburger Wald.

Es ist beeindruckend, wie aus drei nah bei einander liegenden natürlichen, röhrenartigen Löchern im Fels das Wasser "wie aus dem Nichts" strömt. Vorbild für Leitungswasser ;-)

Luftlinie nur 600 Meter entfernt, aber knapp 300 Meter höher steht die Ruine der Iburg. Ich fuhr mit Clara vom Bollerwien aus hoch. Die Bergeshöh ist von einem unter Naturschutz stehendem Waldgebiet bedeckt.

Lokalen Sagen nach stand hier die Irminsul (Irmin= allgemeingültig, bedeutend, groß; Sul=Säule) der ansässigen heidnischen Sachsen. Sie verband einem Weltenbaum ähnlich die Erde mit dem Himmel. Mehrere Orte in Westfalen beanspruchen der Standort der Irminsul gewesen zu sein. Vermutlich gab es mehrere dieser Säulen, so wie ja später auch nicht nur eine einzige Mariensäule in dieser Gegend errichtet wurde. Die Sachsen wurden von den Franken unter Kaiser Karl besiegt und er ließ ihr Heiligtum, eben die Irminsul, zerschlagen. Danach begann die Christianisierung.

Wir wanderten mal nah, mal weiter von der Steilkante entfernt bis zur Iburg, einer ursprünglichen Sächsischen Fliehburg. Sie thront haarscharf an der höchsten Stelle der Steilkante, an den anderen Seiten ist von einem breiten Burggraben umgeben.

Ein Forstweg führt entlang des alten Grabens zum Zugang in den Burgkomplex. Vermutlich war dort früher eine Zugbrücke gewesen.

Hier sind immer Wanderer - oft mit Hunden - unterwegs. Ich nahm Clara an die Leine, wenn wir welche sahen. Sie hielten hier alle ihre Hunde angeleint.

Im Burgareal begegnete uns ein Mann mit einem mittelgroßen Jagdhund. Der Weg war eng, wir steuerten aufeinander zu. Clara und der andere Hund verhielten sich vorbildlich ruhig. In dem Momernt, als ihre Köpfe nebeneinander waren, wendeten sie sich blitzschnell einander zu, leckten sich gegenseitig über die Nasen und gingen, als sei nichts gewesen, gut gelaunt weiter :-)

Der Rückweg zum Parkplatz durch den freien Wald genoß Clara wieder sehr!

Ich fahre bei meinen Ausflügen mit Clara immer kleine Nebenstraßen. Das Navi - eingestellt auf "Kürzeste Strecke" - hat mich schon häufiger an überraschend reizvollen, völlig abgelegenen Stellen vorbei geführt. So auch diesmal:

Am Straßenrand sah ich einen kleinen Hinweis zu einer Alpakafarm. Ich bog gleich ab und dachte, das wäre eine schöne Überraschung für Clara. Ich sprach freundlich mit den neugierigen Tieren.

Sie kamen nah an den Zaun, aber Clara zeigte ihnen nur ihren Hintern! Mißachtung pur... also packte ich sie wieder ins Auto und wir fuhren nach Hause.


Einen guten "Rutsch" ins Jahr 2024 :-)



Montag, Dezember 25, 2023

Frohe Weihnachten :-)

und Ausflüge in den vorerst letzten Schnee


Friedliche, ja fröhliche Weihnachtstage wünschen wir Savorys allen Menschen, Hunden und sonstigem Leben. Feiert das Dasein!

In diesen schwierigen, gefährlichen Zeiten ist eine Denk- und Besinnungspause sinnvoller denn je. Die Rauhnächte, die "Nächte zwischen den Jahren", sind dafür wie geschaffen. Der Begriff "Zwischen den Jahren" entstand als Bezeichnung der 12tägigen Zeitspanne zwichen dem Mond- und dem Sonnenjahr. Sie fiel sozusagen aus der Zeit heraus, deshalb war sie im Verständnis früherer Menschen offen für Magie und Wunder. Nun, Wundersames geschieht ja manchmal...

Die Berichte über Claras Ausflüge gehen jetzt weiter :-)

Bis in die Dezembermitte hielt sich das Regenwetter für viele Tage, die Wolkendecke riß zu unserer Freude aber jeden Tag für eine kurze Weile auf. Und die nutzte ich für kleine Ausflüge mit Clara. Einen davon machten wir circa 30 Kilometer nach Osten ins Sauerland. Hier herrschte noch Frost und so hatte sich etwas Schnee auf den Höhen gehalten.

Nach unserer Waldrunde fuhren wir runter ins Rüthener Möhnetal. Biber lebten hier einmal, jetzt gibt es nur noch als Erinnerung an diese Zeiten zwei hölzerne am Weg durch den relativ naturnah angelegten Stadtpark mit Infotafeln und alten Gedenksteinen.

An nächsten Tag fuhr ich mit Clara nur hoch zum Heggeweg auf der Höhe oberhalb unseres Altenautals. Dort lag noch Restschnee und die Tauzonen auf den Wegen waren über Nacht wieder vereist und glatt.

Dieser Weg ist einer unserer Standardwege - wir machten ihn zu einem neuen Erlebnis für uns, indem wir ihn verließen und uns durch Baumstümpfe und neu angepflanzte Bümchen parallel zu ihm durchschlugen: das war möglich, weil der Schnee der letzten Woche alles an hohen Gräsern plattgedrückt hatte und die stellenweise undurchdringlichen Brombeerflächen weggeschlagen waren. Wir folgten eine Weile einer Rehspur.

Clara verfiel in Übermut und drehte ein paar Rennrunden: Sie geriet mit keiner Pfote in ein Bodenloch und blieb damit auch nicht in Bodengeäst hängen... sie war im Modus Tiefflug ;-)


Freitag, Dezember 22, 2023

Schnee, Neuschnee, Regen, Schnee


Das kalte Wetter - und damit der Schnee - blieb uns Anfang Dezember tagelang erhalten. Meist klare, oft sonnige Wintertage, welche Freude! An einem Nachmittag spazierten Clara und ich auf der Höhe des Blankenroder Naturschutzgebietes der Bleikuhlen wie auf einer Schneenase hoch über der Autobahn.

Clara rannte immer wieder vor und sprang mit Anlauf über die Wegbegrenzungen. Sie hatte Spaß an den "Bauchlandungen" im hohen, weichen Schnee. Die Rücksprünge überlegte sie genauer: sie entschied immer im spitzen Winkel zum Pfad zu starten. Somit war ihre "Landebahn" möglichst lang. Im Sommer springt sie auch im rechten Winkel über die Begrenzungslatten, dann tippt sie wie ein Ball auf dem Pfad kurz auf und im selben Schwung wieder hoch und weiter auf die andere Wegseite der Wiese. Diese Technik erschien ihr jetzt der Schneelage offensichtlich nicht angemessen.

Der Schnee auf den Hochebenen lag ein paar Zentimeter höher als in unserem Altenautal. Deshalb beschloß ich am nächsten Tag zur Höhe des Piepenbachtals bei Koster Dalheim zu fahren. Die Ziegen am Steilhang waren in ihren Winterquartieren. Clara vermisste sie nicht. Sie spurtete durch den hier oben unberührten Schnee, freute sich einfach nur.

Bei Schnee kann ich an den Spuren meist erkennen, welches Tier Clara gerade mit ihrer Nase erfaßt. Hundemarkierungen widmet sie meinem Eindruck nach die größte Aufmerksamkeit :-)

An unseren Wanderwegen brachte der Spindelstrauch weihnachtliches Rot ins Land.
Aus seinem sehr harten Holz wurde vor der Erfindung des Spinnrades zum Garnspinnen die Spindel hergestellt. Alles an diesem Strauch ist giftig - deshalb vergiftete sich Dornröschen, als sie sich daran stach. Dem Märchen nach verfluchte die 13. Fee, die zu Dornröschens Geburt als ungebetener Gast erschien, sie daran zu sterben. Aber die 12. Fee milderte diese Verwünschung zu einem 100jährigen Schlaf ab. - Dieser Strauch heißt übrigens mancherorts Pfaffenhütchen.

Nach den wenigen, so schönen Schneetagen regnete es nachts den Schnee hinweg.

Clara und ich spazierten zu den größeren Quelltöpfen in unserem Henglarner Dorfpark. Nach dem Frost lagen Brennesseln und Co erfroren am Boden, deshalb kamen wir leicht an den Wasserrand und zu einer besonders beeindruckenden uralten Weide.

Clara folgte mir, wenn auch leicht widerwillig. Das Terrain hier war nach ihrer Meinung zu nass, um daran Spaß zu haben ;-). Sie hat eigentlich Recht, dachte ich und ging über den Kinderspielplatz zurück zur großen Wiese am Quellteich.

Am nächsten Tag schneite es wieder, die Temperatur lag um die 0 Grad herum. Das bedeutete Glatteisgefahr - wir blieben zuhause.

Bei Claras Freund Scotsh in Bayern gab es zur gleichen Zeit Schnee im Übermaß, so um einen Meter hoch! Eva, sein Frauchen, schickte uns lustige Bilder ihres Senior Scotch :-)

Liebe Eva, lieber Frank, Euch weiterhin eine wunderschöne schöne Weiße Weihnachtszeit!


Dienstag, Dezember 19, 2023

Sonnenstunden im Schnee


Am nächsten Tag blieb das Wetter frostig und der Himmel bis in den Nachmittag hinein grau. Clara und ich wanderten über das Asphaltsträßchen durchs Schwarzbachtal. Mächtige Eichen, Buchen, Ahorn und auch einzelne Fichten haben hier beachtliche Größen erreicht. Das gefällt dem Wild - und den Jägern, die hier den Wolf ersetzen.

Zu meiner Freude brannte sich nach kurzer Zeit die Sonne genau über uns ein Loch durch die Wolkendecke. Ich glaube Clara war das egal, sie hielt den Kopf eh nur nach unten, war mit Schnuppern mehr als beschäftigt :-)

Am nächsten Tag zeigte sich die Sonne schon am Vormittag. Clara und ich fuhren nachmittags zum Schwarzen Bruch, diesmal mit Freundin Gaby dabei. Unser Lieblingsweg dort hat an seiner östlichen Seite einen wilden Waldstreifen und westlicherseits Feuchtwiesen und Moor.

Über den Wiesen hatte die Sonne aus der obersten Schneeschicht eine meterhohe Nebelschicht gebrannt. Es war der letzte Novembertag, "Nebel ist das November-Markenzeichen", lachten wir. Aber dieser Nebel war nicht düster nieselig wie üblich, er strahlte hell wie der Schnee unter ihm.

Zu Claras Freude gingen wir in den Wald hinein zu einer ihrer geliebten Rennplätze.

Die Sonne ging bald in einem pastellfarbigen Himmel unter. Ein schöner Wintertag!

Die sonnigen, frostigen Winternachmittage blieben in den Dezember hinein. Im unteren Totengrund endeckte ich mit Clara hinter einer frisch gerodeten, ebenen Stelle eine Felswand im Steilhang, aus der in halber Höhe zwei Nischen wie Höhleneingäge von Wind und Wetter geschaffen worden waren.

Hier sah ich seit Jahren mal wieder eine Felswand voller Eiszapfen. Die kurze Sonnenwärme hatte sie hervorgezaubert :-)

Clara war nicht an der Steilwand interessiert, weil sie dort keine Duftmarken erwartete, schätze ich. Das Laub auf dem Weg dagegen faszinierte sie. Es war schockgefroren und lag nur locker auf einander. Unter jedem Schritt knisterte es beim Zersplittern.


Samstag, Dezember 16, 2023

Die Schneedecke wurde dicht und dick


Die Hoffung des letzten Tages (letzter Beitrag) auf mehr Helligkeit erfüllte sich! In der Nacht schneite es stärker, eine dünne weiße Decke legte sich über unseren Garten und die Felder dahinter. Ich ging mit Clara noch einmal in der Nacht raus - es war bis zum Horizont so hell, dass ich keine Gartenlampe einschalten mußte.

Vormittags fuhr ich gleich mit Clara hoch zum Wald bei Blankenrode. Hier liegt der höchste Punkt unserer Stadt Lichtenau (amtliche Name unserer 15 Dörfer): 428 Meter ü. NN, das ist circa 250 Meter höher als unser Garten in Henglarn. Wenn Schnee fällt, dann bleibt er hier am ehesten liegen!

Der Schnee lag hier fast 15 cm hoch. Clara stutzte, dann rannte sie gleich los. Die Flocken stoben hinter ihr hoch. Der Wanderpfad zur Wüstung zeigte nur Tierspuren, was für Clara natürlich von hohem Interesse war

Die Büche und jungen Bäume am Wegrand beugten sich so unter der Schneelast, dass sie fast den Boden berührten. Clara rannte drunter weg, aber ich mußte mich tief bücken, wenn ich den Schneezauber in der filigranen Welt der Zweige nicht zerstören wollte.

Wir hörten zweimal einen Schuß aus einem Gewehr, aber so weit weg, dass ich mir keine Sorgen machte. Auch Clara zeigte keine weitere Reaktion als kurz den Kopf zu heben.

Über den Tag hin war es etwas kälter geworden, der Schnee auf der Höhe hinter unserem Haus war deshalb nicht weg geschmolzen. Kurz vor Sonnenuntergang fuhr ich mit Clara hoch. Sie rannte auch über die Felder, denn der Schnee ebnete alles ein.

Schnee ist der beste Restlichtverstärker überhaupt. Er strahlte hellweiß unter der trüben, grauen Wolkendecke. Die Erde leuchtete, nicht der Himmel.

Die großen Bäume am Wegesrand zeigten sich einmal mehr als Klimaregulierer: im Sommer schenken sie Schatten, und im Winter bringen sie Schnee unter sich zum Schmelzen. Wie wunderbar vernetzt ist die Natur :-)


Mittwoch, Dezember 13, 2023

Ende November: Der erste Schnee


Im letzten November-Drittel regnete oder nieselte es tagelang. Wir hatten freie Sicht durch die fast laubfreien Bäume hindurch, aber auf unseren nur sehr kurzen Gängen raus ins Freie - kurzes Schnuppern und Geschäfte erledigen - hatten wir nicht viel davon.

Clara lehnt Garderobe für sich grundsätzlich ab, dann doch lieber schnell zurück nach Hause.

Ich fuhr mit ihr trotz des Wetters ins Schwarze Bruch, um nach den Fliegenpilzen zu sehen. Sie waren alle weg gerottet. Aber an der anderen Wegseite sah ich plötzlich drei junge Steinpilze! Sie schimmerten in der Nässe wie lackiert, refektierten ihre Umgebung in Schlieren wie ein unebener, alter Spiegel.

Ich ließ die Drei stehen, denn es wachsen hier nur noch sehr wenige Steinpilze. Sie schmecken herrlich gut, aber ich kaufe lieber polnische im Supermarkt, denn im weit dünner besiedelten Osteuropa wachsen noch viele davon. Clara findet dagegen Pilze nichtssagend, wohl nach "nichts" riechend. Das heißt, ich erinnere mich: an einer Stinkmorcheln hat sie schon mal geschnuppert!

In den letzten Novembertagen ging der Regen in Schnee über. Novemberschnee - das gibt es bei uns sehr selten! Im Dorf blieb er nicht liegen, wohl aber oben auf der Hegge, dem nördlichen Hochplateau mit seinem Steilhang runter zu unserem Altenautal. Wir also hin!

Schneefall ist für Clara etwas Anderes als Regen! Er schmilzt nicht auf ihren Fell, sie schüttelt ihn einfach dann und wann ab! Und wenn sie die Augen etwas zukneift, gerät er auch nicht in diese hinein!

Es war noch zu wenig Schnee und zu dunkel bewölkt, um das Land in reflektierendes Licht zu hüllen. Aber er machte uns Hoffnung darauf :-)

In Bayern hat Väterchen Frost seine Schneekönigin schon seit einigen Tagen wirken lassen: Claras Urlaubsfreund Scotch sagt dem Wetter "danke" :-)

Lieber Scotch, liebe Eva, lieber Frank, wir grüßen euch ganz herzlich zurück. ...und werfen Scotch einen virtuellen Schneeball zu :-)


Sonntag, Dezember 10, 2023

Nach über 40 Stunden Starkregen, Teil II


Wenn die Sauer bei Lichtenau schon so angeschwollen ist (siehe letzter Beitrag), wie sieht sie dann erst viele Bachbett-Kilometer weiter bei Ebbinghausen aus, dachte ich. An einem der nächsten Tag fuhren wir hin!

Bei Ebbinghausen und weiter bis zu ihrer Mündung in die Altenau bei Atteln fällt die Sauer für circa 10 Monate im Jahr wegen der dortigen Karstspalten und Löcher im Untergrund trocken, gewöhnlich führt sie deshalb in diesem Streckenteil nur im Frühjahr Wasser. Vor einigen Tagen war das Bachbett noch leer gewesen, wie man auf der Landstraße vom Auto aus sehen konnte. Und jetzt strömte das Wasser nach dem Starkregen über die Gräser im Bachbett hoch hinweg. Wir fuhren bis zur ersten Furt im Tal hinter Ebbinghausen. Ab da beginnt ein Landwirtschaftsweg, der schön zu bewandern ist.

Das Bachufer zeigte durch platt gedrücktes Gras oberhalb des aktuellen Wasserstandes und durch frisch angetriebene Gräser, Zweige und Wurzelballen im Geäst der Uferbüsche und der umgekippten Bäume, dass der Wasserstand direkt nach dem Starkregen noch einmal deutlich höher gewesen war.

Der Weg wurde später für uns und kleinere Geräte als Trecker unpassierbar. Clara lief deshalb zur Wandererbrücke gleich daneben vor. Wir stiegen hinter der Brücke die bewaldete Uferanhöhe hoch, aber dieser Pfad endete bald in einem vermatschten Acker.

Die Geschwindigkeit, mit der das Wasser der Flüsse und Bäche ansteigen kann, machte mir einmal mehr deutlich, wie gefährlich Unwetter sind. Clara weiß das instinktiv: sie hielt Abstand vom laut rauschenden Wasser.

Jetzt blieb noch das Wasser der Altenau nach dem Zufuß der Sauer in Atteln und kurz dahinter in unserem Heimatdorf Henglarn zu bestaunen.

Ein so volles Bachbett ist ein seltener Anblick, eben nur nach Starkregen und im Frühjahr. Ein Streifen Gras am Uferrand war platt gedrückt durch die Srömung. Der Wasserspiegel war also wie bei der Sauer auch hier in wenigen Tagen schon wieder etwas gesunken.

Am Henglarer Dorfrand befindet sich ein großer Quellteich und kleinere "Topf"quellen direkt daneben. Sie entspringen hier am tiefsten Punkt des Lichtenauer Gebietes: 172 m ü. NN. Die mittlere Höhe beträgt etwa 205 m ü. NN.

Das in der Egge versackte Wasser tritt hier (und in Paderborn als die Paderquellen) wieder an die Oberfläche. Es schimmerte trüb milchig, durch den Wasserdruck des Starkregens hatte sich wohl besonders viel Kalkgestein während seines Laufs im Untergrund darin auflöst.

Der Abfluß der Quellen in die Altenau ist nur circa 300 Meter lang. Er führte der Altenau so viel Wasser zu, dass sie im weiten Tal direkt hinter dem Dorf ganze Wiesen unter Wasser setzte, wie man von der Landstraße aus sah. Mit Spazierengehen war dort erst mal nichts!

Mit Spazierengehen war auch nichts am Quellbächlein der Altenau bei Blankenrode, circa 12 Kilometer von unserem Henglarner Quellteich entfernt.

Ich wollte mich dort vom Weg entlang des Waldrandes durch Asthaufen, Gebüsch und Sumpfgras an einer weniger steilen Stelle zum Bächlein durchschlagen - aber Clara folgte mir bald nicht mehr. Der Boden unter dem Laub war so aufgeweicht, dass auch sie tief einsackte. Und Gebüsch, Bruchholz und Riesenbrennesseln waren für sie, aus ihrer nicht mehr vorhandenen Sicht, ein echtes Hindernis!

Auch ich gab kurz darauf auf und stieg zurück zum Weg. Aber auch der war unter dem Laub komplett matschig und voller Pfützen. Für die nächsten Tage würde ich wieder nur befestigte Wege für uns aussuchen, beschloß ich.


Donnerstag, Dezember 7, 2023

Nach über 40 Stunden Starkregen, Teil I


Den ständigen leichten Regenschauern folgte Mitte November für anderthalb Tage ununterbrochener Starkregen. Als der dann endlich nachmittags aufhörte und es aufklarte, fuhr ich gleich mit Clara los zum Überlaufbecken der Altenau bei Husen. Das Wasser strömte laut donnernd über den Beckenrand.

Von dort aus wanderten wir bachaufwärts entlang des Steilhanges durch das sanfte, flachgrundige Tal. Im kleinen Moorbereich vor der Amelunger Kappelle standen jetzt die Bäume wie in einem Teich.

Von der leicht erhöht liegenden Amelunger Kappelle aus sieht man sehr gut, wie stark der Holtheimer Bach meandriert, bevor er hier in dle Altenau mündet. Wir spazierten diesen Bach aufwärts bis zur Wandererbrücke neben der Furt.

Clara machte zwei Schritte in die Furt hinein, ich rief sie erschrocken "Vorsicht". Sie kennt die Furt als ungefährlich knöchelhoch, was sie auch hier zunächst war.

Aber in der Mitte strömte es heftig, Clara konnte das aus ihrer geringen Körperhöhe nicht sehen. Sie blieb auf meine Warnung hin stehen, kam zurück und ging freiwillig vor mir über die ihr wegen des Stahlgitterbodens ziemlich unangenehme Brücke. Sie erinnerte sich offensichtlich, dass sie diesen Gang vor Wochen schon einmal schadlos überstanden hatte ;-)

Als die Sonne unterging kehrten wir um. Clara genoß diesen Spaziergang sehr, sie sprang und lief mehr als sonst herum. Der Vortag - wegen Dauerstarkregen nur im Haus mit aus ihrer Sicht leider unvermeidbaren Kurzgängen raus in den Garten - hatte ihr mißfallen. "Endlich wieder ab ins Freie!" sagte sie so auf ihre Art.

Am nächsten Tag wollte ich sehen, ob die tiefe Postkutschenfurt des Alten Postwegs durch die Sauer bei Lichtenau (siehe letzter Beitrag) nach dem 40stündigen Starkregen selbst mit Gummistiefeln nicht mehr passierbar wäre.

Dieser mich immer wieder bezaubernde, von bizarren, alten Weiden gesäumte Weg am Ufer entlang der Sauer war in den wenigen Tagen, seit wir das letzte Mal hier waren (siehe letzter Beitrag), zu einem ordentlichen Bach angeschwollen. Die sumpfigen Pfützen in ihrem Bett gab es nicht mehr: die Schwalglöcher und Spalten im Kalkgestein konnten diese Wassermenge nicht mehr verschlucken.

Die tief liegende Furt wurde von der Sauer mit deutlicher Strömung über die halbe Höhe hinaus überflossen. Clara war überrascht und lief auf den Wasserrand zu, als wolle sie dies Wasserstandsphänomen untersuchen :-)

Wir gingen zurück. Clara war diesmal nicht an Grasfressen interessiert. Sie lief die ganze Strecke nah am Bach entlang... Ich schätze ihre Gefühle glichen meinen :-)


Montag, Dezember 4, 2023

Skurrile Weiden an der streckenweise

wieder wasserführenden Sauer


Das Wetter blieb bis Mitte November schauerweise nass, ich passte Regenpausen ab, um mit Clara raus zu gehen. Die Strömung der Altenau vorm Husener Piepenteich war für ihre Verhältnisse fast ungestüm zu nennen. Wir spazierten dort aber nur über die für Verkehr gesperrte alte Asphaltstraße, die anderen Wege waren mir inzwischen zu verschlammt.

Aus der Wasserfülle der Altenau leitete ich ab, dass wahrscheinlich die Sauer, als einer ihrer Zuflüsse, am Alten Postweg hinter Lichtenau trotz aller Schwalglöcher zur Zeit Wasser führen würde. Ich fuhr mit Clara hin.

Über die Furt stürmte das Wasser hinweg, und das dahinter liegende Schwalgloch - vor einigen Wochen noch das Ende des Baches - wurde überflossen.

Ein gewisser Wasserschwund zeigte sich aber doch deutlich an dem schmaler und flacher werdenden Bachverlauf weiter bachabwärts. Normalerweise steigt die Wassermenge eines Flusses auf seinem Weg, hier versickert aber mehr Wasser im Karstgestein als ihm von den Hängen neu zufließt.

Wir kamen an prächtigen, großen und an bizarr gewachsenen Weiden vorbei: vielfach gespalten, gekippt oder gebrochen. Neue Triebe hatten sich auf liegenden Bruchstücken wie ein Zaun gebildet. Sie schenken dem Sauertal hier seinen romantischen Zauber.

Dieser Alte Postweg ist eine wunderschöne Sackgasse. Bei Hochwasser endet er an dieser Furt, und bei Trockenheit etwas später in Kuhweiden.

Die Furt liegt circa zwei Meter tief und bei Frühjahrshochwasser fließt das Wasser randhoch und reißend schnell darüber hinweg, wie wir es im April erlebten. (Beiträge vom 4.5.23 und vom 4.8.23)

Die Sitzbank an der Furt stand in Gras, das sich fast wie Sumpfgras entwickelte. Wir kehrten um und genossen die Stimmung in diesem einsamen, stillen Tal mit seinen skurrilen Weiden.



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Archivierung: Die Bulldog-Blog-Beiträge bleiben circa 4 Wochen auf DIESER Seite. Danach kommen die wichtigen, informativen, besonders lustigen und die Gastblogger-Beiträge ins jeweils entsprechende Archiv.

Die Links zu den Archiven sind oben rechts in der grauen Referenzspalte.

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Montag, Oktober 1, 2018

Redaktionelles: Dieser Blog


Dieser Bulldog-Blog startete 2005 mit underer Hündin "Gombas Happy Miss Frieda" und ist unter Anderem ihr und ihres Sohnes "Kenai Kosmo Floral Garden" Tagebuch geworden.

Nachdem auch Kosmo gestorben ist, überlegte ich zunächst den Blog zu schließen, aber er ist mir selbst und vielen Anderen doch solch eine Freude, dass ich ihn etwas reduziert weiter führen werde.

Er ist nun neben Frieda und Kosmo auch unserer neuen Hündin Clara "Elisa Clara vom Urstromtal" gewidmet :-) Und - GastbloggerInnen sind nach wie vor herzlich willkommen.


Unser Kosmo (2007 - 2018)

Unsere Frieda (2005 - 2017)


Montag, Mai 11, 2015

Zehn Jahre Bulldog-Blog - und:

Die wichtigsten Schritte für das Überleben des Englischen Bulldogs sind getan.


Liebe Leserinnen und Leser, heute feiern wir ein Jubiläum: das zehnjährige Bestehen dieses Bulldog-Blogs. Der 1. Beitrag erschien am 11. Mai 2005.

Es wurde über diese 10 Jahre jeden zweiten Tag ein Beitrag veröffentlicht, das heißt 1815 Beiträge insgesamt - lustige, besinnliche, spannende, warnende, informative und, mir die wichtigsten, aufklärende Beiträge. Aufklärung über den besonderen Zauber des Bulldogwesens, Aufräumen mit Vorurteilen über ihn, das war und ist mir wichtig :-).

Im Blog wurde auch immer wieder über das Elend informiert, welches dem Englischen Bulldog Zucht, Mode und Geldgier antaten und auch noch antun. Die Aufklärung über rasseschädigende, den Genpool ausdünnende Züchtungs-Methoden tut Not, einmal im Sinne der gezüchteten Hunde selbst, aber auch für ihre Käufer ist sie wichtig. Züchter setzten oft wirtschaftliche Zucht-Prioritäten, deshalb ist der "Druck des Marktes" entscheidend.

Und Aufklärung über die sadistische Quälerei, die Massenzüchter ihren "Zuchthunden" antun, ist noch wichtiger. Nicht gerade wenige Menschen entscheiden über den Preis und ahnen nicht, was hinter "Billigwelpen" für ein grausames, verzweifeltes Elend steht.

Zu diesem Jahrestag möchte ich mich bei allen Gastbloggern von Herzen bedanken, denn sie trugen wesentlich dazu bei, dieses Bulldog-online-Magazin, das es der Sache nach ist, abwechslungsreich zu gestalten.

Insbesondere danke ich Isabelle Borgert für ihre spannenden, so informativen wie humorvollen Beiträge. Sie ist unsere aktivste Gastbloggerin: seit September 2007, also schon 7 1/2 Jahre lang, können wir regelmäßig circa zwei Beiträge pro Monat von ihr genießen :-)

Danken möchte ich auch allen Leserinnen und Lesern, die mit oft einzigartigen Fotos, Witzen oder auch Links diesen Blog wesentlich bereichern.

Danke auch an meinen lieben Stu, der mir immer technisch zur Seite steht, und ohne den dieser Blog gar nicht erst begonnen worden wäre.


Die wichtigsten Schritte

für das Überleben des Englischen Bulldogs sind inzwischen getan:

  1. Der Standard wurde (2009) geändert, um ihn wieder "fit for function" werden zu lassen. Der deutsche Zuchtverein ACEB, die hiesige Speerspitzen der Zucht des atmungsbehinderten Extrem-Bulldogs, wurde u.A. als eine Konsequenz dieser Änderungen aufgelöst.
  2. Über ein Dutzend bulldogartiger Rassen wurden neu gezüchtet, und diese erzeugen den nötigen Markt-Druck auf die Züchter des Originals.
  3. Welpenhändler und Welpen-Fabriken werden, auch dank der Medien, gesellschaftlich zunehmend geächtet. Der Gesetzgeber wird dem früher oder später folgen.

Auf diesem Hintergrund nehme ich dies 10-jährige Blog-Jubiläum zum Anlass, ihn in Zukunft nur noch in reduzierter Form weiterzuführen, es wird mittelfristig auf vielleicht 2 Beiträge pro Woche hinauslaufen.

Das Meiste über den Bulldog aktuell und über seine Vergangenheit ist gesagt - und in den Blog-Archiven zu finden :-)

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LINK HIER! --- Auch in diesem Blog finden Sie wundervolle English Bulldogs fit for function :-)


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Cornelia´s Tierbuch:
'Tiere als Spiegel der Seele und Sinnbild der Kultur'



Cornelia
Savory-Deermann
, geboren 1945 in Wuppertal, hat seit über 50 Jahren Englische Bulldoggen und ist Gründungs- und Ehrenmitglied des "Verein der Freunde Englischer Bulldogs e.V. (1980-2009)".

Seit Mai 2005 haben die Bulldogs hier ihr eigenes deutsches Weblog bekommen. Jeder Leser kann Blog-Beiträge an Cornelia schicken, Eure Bulldog-Anekdoten, -Fotos und -Tipps für's Blog sind willkommen. Der jeweilige Autor behält sein Copyright an Bildern und Text, gibt aber Cornelia ein unwiderrufbares Nutzungsrecht für Veröffentlichungen in diesem Blog.



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Cornelia Savory-Deermann


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